iHaveCNit: Wunderschöner (2025) – Karoline Herfurth – Warner
Deutscher Kinostart: 13.02.2025
gesehen am 11.03.2025
Kinopolis MTZ – Kino 4 – Reihe 9, Platz 24 – 20:15 Uhr
Sonja und Milan sind mittlerweile getrennt und machen eine Paarberatung. Während dieser Phase stellt Sonja fest, dass Milan mittlerweile wieder datet, so dass sie ebenfalls das Gleiche versucht.
Vicky und Franz stecken in einer Beziehungskrise. Franz ist seit Monaten in den Bergen unterwegs, während Vicky irgendwie Gefallen einem neuen attraktiven Lehrer Trevor findet, der aktuell einen Kurs in der Schule zu Thema „toxische Männlichkeit“ anbietet. Sie gibt Schülerinnen aktuell einen Kurs zum Thema „Weibliche Sichtbarkeit in der Geschichte“, der vor allem bei der jungen, selbstbewussten Lilly für eine interessante Entwicklung sorgt. Ihre Mutter Nadine ist erfolgreiche Galeristin und mit dem Finanzsenator Berlins verheiratet. Von einer bekannten Journalistin bekommt sie irgendwann die Info, dass ihr ihr Mann mit einer jungen Escort-Dame fremdgeht, was Nadine zu einer sehr unüblichen Entscheidung hinreißen lässt. Im Freundeskreis von Nadine ist auch die erfolgreiche TV-Moderatorin Regine, bei der Milans Schwester Julie einen neuen Job als Aufnahmeleiterin annimmt, ohne zu ahnen, welches für sie folgenreiche Betriebsklima dort herrscht.
Mit ihrem Episodenfilm „Wunderschön“ hat es Karoline Herfurth trotz noch laufender Corona-Pandemie geschafft ein großer Hit in den deutschen Kinos zu werden. Der starbesetze Episodenfilm hat sich auf sehr behutsame, respektvolle, humorvolle und emotional berührende Art und Weise mit den Themen Schönheitsideale, Selbstoptimierung und beziehungstechnischen Dynamiken auseinandergesetzt. Auch wenn der Film sich vor allem mit Problemen von Frauen beschäftigt hat, umschifft es Karoline Herfurth sehr gut, pauschalisierende Schuldzuweisungen gegenüber den Männern zu vermeiden und eher die Schuld des Systems herauszuarbeiten und zu kritisieren. In „Wunderschöner“ geht es thematisch noch ein wenig härter zu, denn hier werden vor allem Themen wie #metoo, Sexwork, partnerschaftliche Krisen, toxische Männlichkeit, weibliche Unsichtbarkeit behandelt und da geht Herfurth mit ihrem großartigen Ensemble, bei dem zwar Martina Gedeck und Joachim Krol dieses Mal fehlen, aber mit vielen weiteren Schauspielern wie Emilia Packard, Anneke Kim Sarnau, Anja Kling, Godehard Giese, Malick Bauer, Jasmin Shakeri und Bianca Radoslav der Film mit sehr viel wertvollem Leben gefüllt wird in einem Film, der thematisch schon hart und schmerzhaft ist, aber sehr viele wertvolle Diskurse und Botschaften enthält, die auch für Männer durchaus interessant sein können, womit der Film sich nicht nur auch an Frauen richtet. Ich habe gelacht, war berührt, den Tränen nahe und insgesamt war das für mich mal wieder auch neben einem Kinogenuss auch eine damit verbundene Reflektionsfläche, aus der ich etwas für mich selbst mit nehmen konnte. Und das gefällt mir durchaus auch an den Filmen von Karoline Herfurth, die mich mit jedem ihrer bisherigen Arbeiten als Regisseurin begeistern konnte und das ist auch bei „Wunderschöner“ der Fall. Da bin ich mal gespannt, ob sie sogar eine weitere Fortsetzung mit noch nicht besprochenen und offenen Themen in der Hinterhand hat.
„Wunderschöner“ - My First Look – 9/10 Punkte