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Erfolgreiche, in weitem Sinne auch gekonnte Fortsetzung zu Wunderschön (2023), das pralle deutsche Mittel-bis Wohlstandsleben, das beste Alter auch, das Alte Testament hier als Leitspruch, eine erste Fotografie wie bei Schweiger und Co., Sex noch vor dem Frühstück, dazu etwas Kritik am Fatshaming, zwischen Erwachsenen und Jugendlichen, ein ganzes Milieu gezeigt und porträtiert, der Papa ist der Hausmann, oder doch nicht:

Als Nadine Hansen [ Anneke Kim Sarnau ] von der Affäre ihres Mannes Philipp [ Godehard Giese ] mit der Prostituierten Nadja [ Bianca Radoslaw ] erfährt, versucht sie alles, um eine öffentliche Berichterstattung zu vermeiden, zudem trifft sie die junge Rumänin und wird ihr dadurch erst das Ausmaß der ganzen Tragweite auch über ihre Ehe hinaus bewusst. Den Kindern Lilly [ Emilia Packard ] und Enno [ Levy Rico Arcos ] gegenüber kann sie das Geheimnis allerdings nicht lange wahren, auch haben diese eigenen Sorgen, was vor allem die Schule, bei ihr ein Kurs unter Aufsicht von Vicky Schiller [ Nora Tschirner ] und bei ihm ein ebensolches Projekt bei Trevor [ Malick Bauer ] betrifft; beides Themen, die sich mit dem Umgang von Sexualität in der Gesellschaft sowie der Unsichtbarkeit der Frau und Nähe und Distanz beschäftigen. Vicky selber vermisst ihren Partner Franz [ Maximilian Brückner ], der sich auf einer Selbstfindungstour seit mehreren Monaten befindet, während es anderen Frauen in ihrer Umgebung nicht besser geht. Julie Abeck [ Emilia Schüle ] ist im Beruf 'unzufrieden' bis nach einer übergriffigen Aktion und späterem Mobbing zutiefst unglücklich , was ihre Auftraggeberin Regine [ Anja Kling ] noch fördert, während Sonja [ Karoline Herfurth ] und Milan [ Friedrich Mücke ] ein Paar-/Familientherapie eingehen, um ihre kaputte Ehe zu kitten.

Kurz vor 8h ist es, es wird sich selbst geheilt, mit Podcasts und mit Lehrbüchern, mit Freundinnen, mit Komplimenten, mit Alkohol, man sollte schon den Vorgänger kennen, sonst bleibt man stecken in den ersten Eindrücken, viele verschiedene Zeichnungen, viele Milieus, die ganze Bandbreite, von hier nach da gesehen und betrachtet, am "Tablettencocktail verrecken". Nichts darf man mehr, es geht um die Frauen, weniger die Männer. Sexualität verbal wird breitgetreten, viel Chaos, viel Hektik, mit der "Spaßpolsterweste" hinausgegangen, Dialogkraft gezeichnet, husch husch in die Wortduelle gegangen, zwischen Frauen und Frauen und Frauen und Mann. Gegendert wird hier, mühsam, man übt sich noch darin, politische Korrektheit auf den Arm genommen, gestolpert und gestottert, geschlechtsspezifische Gewalt angesprochen, entgeisterte Blicke, alles hopp genommen. Worum geht es, um Paarungen und Beziehungen, um Standards und Vorstellungen, um High Class Society, Streiten das Lebenselixier hier, die Mediatorin unterbricht den Druck und die Emotionen mit der Kinderrassel, der Blick wird verändert, der eigene Schatten wahrgenommen, den lichten Moment im Anderen wahrgenommen. Das Nest-Modell wird hier vorgestellt, therapeutisch wahr- und aufgenommen, dann der Moment der bösen Wahrheit, lieber erstmal verdrängt, nicht wahrgenommen. Viele Leute hier, überall und nirgends, selbstbewusste Weiblichkeit und Eingeschüchtertsein, viel in der Welt herumgekommen.

Angestrengt wird sich manchmal, gerne zum falschen Moment, ein Kaleidoskop des Menschen ab 40 und denen darunter, ab und zu wird auf die Jugendlichen eingegangen, der richtige Ton getroffen, eine Lockerheit vorgetäuscht, eine Freiheit durchgesetzt, ein Gruppenzwang auch, die Männer unterrichten die Männer, die Frauen beide Geschlechter, es wird Degradiert und Diskriminiert, freiwillig oder muss ich?; der Wortwitz eingeschlossen? Um die Freiheit der Menschen geht es, um Bindungen und beziehungen und Brüchen und Rissen in der Umwelt, um Liebe und Hass, um Nervosität und Ehebrüchen. Ein Mann dated, ein Mann sucht nach dem Sinn im Leben, in der Krise, ein Mann geht fremd, alles hier möglich, alles drin und alles drum, es wird dem Vergangenen nachgetrauert, jeder auf seine Art und Weise, psychosoziale und körperliche Reinigung. In Berlin spielt das Ganze, der Hauptstadt des Landes, es könnte genauso gut in Köln sein oder in Frankfurt, in Dortmund eher nicht, Berlin ist schon der richtige Ort hierfür, Menschen aller Klassen und aller Kulturen, mehr Deutsche hier als üblich, viel ungebunden, ungezwungen, trotzdem nicht frei, viele Beobachtungen und Wahrnehmungen. Die Kamera ist überall und nirgends, toxische Männlichkeit oft verharmlost, selten ernst genommen, eher in höheren Kreisen, mit Macht und Druck bespielt. Wahrheiten werden gesucht, im Unterbewusstsein damit gespielt, in Albträumen fantasiert, das Handy am Retten, ein Notfall wahrgenommen. Wer ist wer hier, das weiß man vom Erstling, das ergibt sich hier, trautes Heim und Beruf, manche Darsteller besser als andere, manche einfühlsamer, in Dialogszenen entscheidend aufgenommen, mit mehr oder weniger Einfühlvermögen, etwas Annäherung, etwas Abweichung, etwas Abneigung, etwas Zuneigung, viel (Tele)Kommunikation. Etwas in Jugendsprache versucht, zwischendurch ein Treffen auf Englisch, mal wird sich für die falschen Sachen entschuldigt, mal für die richtigen Dinge, verschiedene Familien, verschiedene Probleme.

Zuweilen ist das intimer gehandhabt, persönlicher, gibt man sich Trost und wird Trost gegeben, wird sich hineinversetzt in die Personen, wenn es keine Karikaturen oder Klischeefiguren sind, es wird sich umgesehen in der Stadt, drei, vier Personen herauskristallisiert. Mal wird über das "Bumsen" gesprochen, mal wird es gemacht, aber nicht gezeigt, das "nein" fällt schwerer als das "Ja" zu sagen, zudem wird in anderen, fremden Mobiltelefonen herumspioniert, das gehört sowieso zur Tagesordnung hier. Eine Prostituierte wird einbestellt, eine Menschlichkeit bewiesen, eine arme Seele gezeigt und eine Empathie, mal mehr, mal weniger, ein Drama am Entstehen, die darstellerischen Leistungen werden besser in der gezeigten Not, der großen Leinwand würdig, dem Casting und dem Coup. Sympathie und Identifikation wechseln hier, es ist ein wenig Betroffenheitskino mit arrangiert, manchmal erfolgreicher, manchmal eher weniger, von Szene zu Szene verschieden, von Angebot zu Aufgebot, von der Angabe zur Aufgabe, ein wilder Bilderwechsel, ein Reigen zu gleichen Tönen, die Freiheit wird gesucht, manchmal übertrieben, manchmal mit Erkenntniswert, mit dem realen Leben hat es weniger zu tun, man hat nicht das wahrhaftige Gefühl, im filmischen Berlin ist man steckengeblieben, die Seiten des Drehbuchs rascheln, an der Umsetzung hapert es weniger; ein großer Kreis wird geschlossen, sich eher am Leid orientiert, am Zusammenschluss der Parteien untereinander, am Gegenüber orientiert, Grenzen erfahren, Intimitäten gespürt.

Personen verändern sich in der Blickweise des Zuschauers, tauen auf oder verändern sich zum negativen, "Ich bin gar nicht da.", "Klar machen wir nichts.", den Zeitgeist getroffen, anderer Menschen plötzlich wichtiger oder weniger wichtiger als die zuvor gezeigten, manchmal wird es besser, manchmal wird man schlechter, mal hat es sich "eingegroovt", manchmal wird die Fremdscham provoziert, manchmal wirkt man wie ein Theaterstück, also einstudiert und ausprobiert bis zum Exzess, "ein sicherer Ort zum Eingestehen", ein Haushaltsplan aufgestellt, ein Fünf-Jahres-Plan quasi, demokratisch aufgestellt, kapitalistisch verteilt, Türen gehen auf und schließen sich. Von der Ausgangsidee ein Ensemble- und ein Episodenfilm, in Wahrheit kristallisieren sich Personen heraus, die junge Aufnahmeleiterin, die junge Prostituierte, eher die Frauen zwischen Kind und Erwachsenen, die Männer unterscheiden sich zuweilen nicht, hervorstehend bloß der Mentor vom BKA, der Rest so drumherum. Als Langfilm ist man gehalten, es könnte auch eine Miniserie sein, zusammen mit dem Erstling eine größere Serie, viel Desorientierung, viel am Geschehen, viel Drumherum. Manchmal wird Ruhe gefunden, eine neue Bestimmung, ein neues Ziel, ein anderweitig, manchmal redet man, manchmal konkludent, mal bleibt man besser stumm, ein Drama mittendrin, der zweite und der dritte Akt mindestens, am Anfang und am Ende noch eine Chance gefunden; zwischendurch Etepetete zwischendurch Projekttage, zwischendurch "Willkommen in der Realität, Dornröschen", zwischendurch hängen in der ganzen Schule weibliche Geschlechtsteile als Kunstausstellung herum. Für einen deutschen Film ganz gekonnt gehandhabt, etwas ausgedehnt in der Laufzeit, auf die Ausdauer gegangen, zwischendurch der Kondition nachgehangen, der Fremdscham nachgegangen. Wie ist der Film genau? "Weiß ich grad nicht."

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