Das ist in der Tat eine große Eventserie, und eine sehr gelungene noch dazu! Wann immer Netflix mit hunderten Millionen Filme macht und versagt, hat sich der Aufwand hier gelohnt. Das liegt aber auch daran, dass man sich hier die richtigen Leute an Bord geholt hat und eine starke, historisch belegte Geschichte verfilmt hat. Was einen aber am meisten umhaut, ist das fantastische Produktionsdesign. Hier stimmt wirklich alles, man fühlt sich in diese Zeit zurückversetzt. Dazu eine ungewöhnlich harte und rauhe Atmosphäre, fernab aller Westernklischees. Am ehesten kann man die Serie vom Look her mit DiCaprios The Revenant vergleichen, nur dass hier in Sachen Härte noch einiges draufgelegt wird.
Worum gehts? Eine Frau ist mit ihrem Sohn auf dem Weg nach Westen, um dort ihren Mann zu treffen. In Ohio haben die Mormonen das Sagen, die für einen unabhängigen Gottes-Staat kämpfen und in Konflikt mit der US Army liegen. In dieser gottlosen Gegend marodieren Mormonen-Banden und metzeln mithilfe einzelner Indianerstämme ganze Siedlertrecks nieder. Nach einem Massaker zu Beginn der Serie, verfolgt die Serie das Schicksal einzelner Personen, die dieses Blutbad überlebt haben und deren Wege sich immer wieder kreuzen.
Die Ausgangslage erinnert an Costners Horizon, aber dessen Produktion ist ein Witz gegen das, was hier aufgefahren wird. Das Massaker am Anfang ist derart intensiv und brutal, dass man aufhört zu atmen. Erinnerungen an die Eingangssequenz von Soldat James Ryan werden wach, nur hier noch krasser und atemberaubender gefilmt.
Aber es sind nicht nur die inszenatorischen Härten, die das Ganze rund machen, sondern auch die Komplexität der Geschichte und ihre Figuren. Über Taylor Kitsch mag man streiten, aber wirklich alle Darsteller spielen superb. Über Peter Bergs Regiequalitäten muss man auch kein Wort mehr verlieren und die Kamera ist genial. In dieser Serie stimmt wirklich fast alles, man kann sich hier ein rauhes Bild von der Besiedlung und den Anfängen des Wilden Westens machen. Ich hoffe sehr, dass das Ganze noch weitergeht, denn historischer Stoff ist noch genug vorhanden.
In diesem Genre schon ein kleines Serien-Meisterwerk!