Review

Auch „Tatsächlich… Liebe“ hat die typische britische Art der anderen Filme der Produktionsfirma Working Title, aber ist nicht so gelungen wie z.B. „About a Boy“.
Das Konzept des Films sind diverse Episoden zum Thema Liebe, die alle lose miteinander verbunden sind und deren Figuren sich auch immer mal wieder über den Weg laufen. Allerdings sind nicht alle Handlungsstränge gleich gut, einige hätte man auch recht gut weglassen. Dies wären zum einen die Geschichte zweier schüchterner Pornodarsteller, die sich beim Dreh verlieben, so wie die unpassend unrealistische Episode um einen jungen Briten, der nur aufgrund seiner Herkunft bei einem Amerika-Trip direkt zum Objekt jeglicher weiblichen Begierde wird. Bei Episoden wirken zum einen zu unrealistisch und sollen vor allem Komik reinbringen, aber die Witze wirken gewollt und unlustig.
Ebenfalls eher komisch gemeint ist der Handlungsstrang um den alternden Rockstar Billy Mack (Bill Nighy), der eine Neuauflage von Wet Wet Wet’s „Love is all around“ gemacht hat: „Christmas is all around“ (der Film beginnt 5 Wochen vor Weihnachten und endet kurz danach). An sich mit keiner Figur so richtig verbunden, tritt er immer wieder über seine TV-Auftritte ins Leben der anderen Charaktere. Hier kann Bill Nighy alles geben, denn wenn er absolut dreist über alles wettert, vor allem darüber wie grottenschlecht sein eigener Song ist, dann darf herzlich gelacht werden, denn so ehrlich wurde selten über den Kommerzpop hergezogen.

Ernster geht es bei Daniel (Liam Neeson) und seinem Sohn Sam (Thomas Sangster) zu: Sams Mutter ist vor kurzem gestorben, Vater und Sohn leiden, aber Sam bedrückt noch etwas anderes. Er ist nämlich verliebt, doch Papa tut alles, um seinen Steppke dabei zu unterstützen. Eine wirklich rührende Episode mit viel Herz und zurückhaltendem Witz, in welcher der tolle Liam Neeson fast noch von seinem Filmsohn an die Wand gespielt wird.
Der englische Premierminister (Hugh Grant) hat ganz andere Probleme: Er fühlt sich zu jung und unsicher für den Job und verliebt sich außerdem noch in seine Angestellte Natalie (Martine McCutcheon), die das gleiche für ihn empfindet. Nur schafft es keiner mit der Wahrheit rauszurücken. Hier steht die Komik wieder eindeutig im Vordergrund und Hugh Grant gibt ähnlich wie in „About a Boy“ alles, um den Zuschauer zum Lachen zu bringen. Seine Tanzeinlage ist ein echter Bringer und er ist immer herrlich schusselig, selbst dem amerikanischen Präsidenten (ein großartig aufgelegter Billy Bob Thornton) gegenüber.

Seine Schwester Karen (Emma Thompson) hingegen ist unglücklich in ihrer Ehe mit Harry (Alan Rickman), denn seine Gefühle sind erkaltet und er ist auf dem besten Wege einer Affäre mit seiner Sekretärin Mia (Heike Makatsch) zu starten. Diese Episode ist leider ziemlich eifersuchtslastig geworden und wirkt oft zu aufgetragen, um wirklich zu überzeugen, trotz der großartigen Leistungen von Alan Rickman und Emma Thompson. Dabei beginnt dieser Handlungsstrang ziemlich witzig, als Harry das Liebesleben seiner Untergebenen koordiniert und der schüchternen Sarah (Laura Linney) doch mal mit ihrem Kollegen Karl (Rodrigo Santoro) auszugehen, den sie schon lange vergöttert. Der würde auch gerne, doch Sarah ist aus bestimmten Gründen kontaktscheu – leider wird auch dieser Strang recht kitschig und zu dialoglastig, weshalb hier auch schnell die Luft rausgeht.
Sarah ist auch auf der Hochzeit von Juliet (Keira Knightley) und Peter (Chiwetel Ejiofor). Peters bester Freund Mark (Andrew Lincoln) jedoch meidet Juliet – doch aus ganz bestimmten Gründen. Eine weitere, weniger komische Episode, die aber glücklicherweise nicht zum Kitsch verkommt, sondern wirklich zu Herzen geht. Vor allem die Szene nach dem Betrachten des Videos dürfte jeden berühren, der schon mal unglücklich verliebt war.

Zu guter letzt bleibt da noch Jamie Benett (Colin Firth), ein Freund des Brautpaares, wie man später feststellt. Nachdem er von seiner Freundin betrogen wird, zieht sich der Schriftsteller in ein abgelegenes Haus zurück, wo man ihm die junge Portugiesin Aurelia (Lúcia Moniz) als Haushälterin zuteilt. Beide sprechen nicht die Sprache des anderen, doch sie verlieben sich ohne es dem anderen wirklich mitzuteilen. Auch hier wechseln sich heitere und romantische Momente ab und Colin Firth sowie Lúcia Moniz spielen wirklich ganz große Klasse.
Trotz der guten Darstellerleistungen hätte man aus dem Stoff mehr machen können, man vergleiche zum Beispiel den ähnlichen „Magnolia“. Zwar ist der Wechsel von Witz und Traurigkeit ein gutes Konzept, doch die Qualität der Handlungsstränge schwankt halt (siehe oben), sodass man bei einigen Momenten nur darauf wartet, dass es endlich mit einer interessanten Episode weitergeht. Zudem hätte man zwei oder drei Handlungsstränge ruhig weglassen können, denn einige Schicksale werden nicht wirklich zu Ende erzählt und man fragt sich, ob die Figuren ihre Probleme lösen können.

Netter Mix aus romantischen, traurigen und witzigen Alltagsszenen zum Thema Liebe, doch einige Handlungsstränge sind zu kitschig oder uninteressant, was immer wieder zu Längen führt.

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