Tja, da stelle ich vor gut einem Jahr an gleicher Stelle fest, wie wohl ein Anti-Weihnachtsfilm in der Vorweihnachtszeit tun kann („Bad Santa“) und muss nun zugeben, dass der altbewährte, romantische Kitsch ein paar Wochen vor dem Fest nicht immer verkehrt sein muss. „Tatsächlich…Liebe“ ist ein Weihnachtsfilm vom alten Schlag – romantisch, witzig, kurzweilig und kitschig – aber nicht, dass es wehtun würde, nein, es funktioniert zu weiten Teilen prächtig.
Eine willkommene Abwechslung ist der episodische Aufbau, der mehrere Einzelschicksale miteinander verknüpft, die fünf Wochen vor dem Weihnachtsfest einsetzen. Einzige Gemeinsamkeit der kleinen Geschichten ist das Thema „Liebe“, das dabei völlig verschieden zum Ausdruck kommt. Einmal ist es die erste Liebe eines kleinen Jungen, der kurz zuvor seine Mutter verloren hat, das andere Mal eine echte Männerfreundschaft eines ekelhaften Altrockers mit seinem Plattenmanager, die erst kurz vor dem Fest zum Tragen kommt. Manche Protagonisten stehen vor alltäglichen Problemen, die auch wir kennen, andere wiederum sind reine Fiktion und funktionieren nur auf Filmebene.
Erwartungsgemäß ist „Tatsächlich…Liebe“ nicht derart genial verknüpft wie ein „Short Cuts“, die Verbindung der jeweiligen Figuren über ihre Episode hinaus klarzustellen, ist keineswegs oberste Priorität. Stattdessen will Curtis verdeutlichen, dass die Liebe bei Menschen unterschiedlichster Couleur eine tragende Daseinsrolle spielt, selbst wenn manche auf den ersten Blick kauzig und unnahbar wirken mögen. Einen klaren Fehler begeht der Regisseur allerdings bei der Gewichtung der einzelnen Episoden, beispielsweise kommt die Geschichte zweier Erotikdarsteller viel zu kurz (nebenbei bemerkt der einzig nicht vollkommen keimfreie Abschnitt des Films), während gegen Ende der Fokus ausschließlich auf dem betrogenen Ehemann und seiner neuen Liebe, einer portugiesischen Haushälterin, sowie dem kleinen Jungen und seiner Flamme im Grundschulalter liegt. Das sorgt dann auch für einen furchtbar kitschigen und übertriebenen Schluss am Flughafeb, der leider den ansonsten rundum positiven Gesamteindruck etwas schmälert. Einige Geschichten enden leider offen, weil man aus Zeitdruck ganz einfach nicht noch mehr zwischenmenschliche Probleme aus der Welt schaffen konnte.
Die Schauspieler (darunter einige namhafte) geben ihr Bestes, vor allem Bill Nighy als alternder Rockstar drückt dem Film seinen Stempel auf. Bei Keira Knightley kommt wohl jeder Mann ins Schwärmen, während Emma Thompson aufs Neue beweist, dass sie zu den besten Charakterdarstellerinnen unserer Zeit gehört. Herrlich außerdem Alan Rickman als spröder Chef, den einzig die drohende Affäre mit einer Büroangestellten (sexy: Heike Makatsch) ein wenig aus der Fassung bringt. Rowan Atkinsons Kurzauftritt als Schmuckverkäufer ist im Übrigen ein Brüller, gänzlich fehlbesetzt leider Hugh Grant, dem man ja so ziemlich alles abnimmt außer einen Bösewicht oder eben einen Politiker. Sein wie üblich charmantes Spiel macht das aber wieder halbwegs wett.
Bleibt alles in allem eine überraschend gelungener Film für die Vorweihnachtszeit, der für so ziemlich jede Altersstufe geeignet ist. Hätte man die einzelnen Episoden ausgewogener erzählt, wofür eine Streichung einiger Geschichten beziehungsweise mehr Zeit nötig gewesen wäre (was der Massengeschmack aber nun einmal nicht zulässt, zumal der Film eh schon über zwei Stunden geht), wäre da vielleicht etwas Großes herangereift. Aber auch so eine schöne, romantische Einstimmung aufs Weihnachtsfest mit einigen wirklich denkwürdigen Szenen.