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Bong Joon-Ho dreht nicht einfach einen Film. Er dreht gerne gleich mehrere auf einmal: Sein Debut HOST war Monsterfilm und Sozialdrama, SNOWPIERCER war SciFi-Dystopie, Gesellschaftsallegorie und Actionfilm. Das sorgte stets für interessante Momente, ein kohärenter Film gelang ihm in den letzten 20 Jahren lediglich mit dem (zugegebenermaßen nur mittelmäßigen) Thriller MOTHER und natürlich mit PARASITE, der Gaunerkomödie, Sozialsatire und Thriller mixte und den Übergang der verschiedenen Genres fließend gestaltete. 

MICKEY 17 ist nun wieder einer dieser Bong-Filme, die viel zu viel versuchen und an einer klaren Linie, einer durchgehenden Tonalität und einer echten Story scheitern. UNd das noch dazu in Überlänge. 

Auf der Flucht vor einem brutalen Kredithai bewirbt sich Mickey Barnes (herrlich beschränkt und fernab von THE BATMAN oder gar TWILIGHT: Robert Pattinson) für die Besiedelung des Planeten Niflheim, ein Plan des auf der Erde gescheiterten Politikers Kenneth Marshall (Mark Ruffalo als schmieriger Klon aus Musk und Trump) und seiner Gattin Ylfa (Toni Collette als monströse Disney-Hexe). Mickeys einzige Chance auf einen Platz im rettenden Raumschiff ist die Rolle eines „Expendables“ – ein Versuchskaninchen zum Test außerirdischer Viren und gefährlicher Strahlungen sowie willige Arbeitskraft für die Drecksjobs an Bord, die nach jedem Ableben einfach neu geklont wird. 

Was im Trailer mit schmissiger Musik noch den Anschein einer schwarzhumoriger Actionkomödie weckte, bildet im Film selbst einen leider sehr deprimierenden ersten Akt. Mickeys Tode sind leidvoll und erinnern sicherlich nicht zufällig an entsprechende Tierversuche (siehe hierzu auch Bongs OKJA), Mickey wird herablassend und entwürdigend als Mensch letzter Klasse behandelt, es ist alles deutlich zu real, um komisch zu sein. 

Dasselbe gilt für die allzu plakative Polit-„Satire“, die in ihrer Absurdität und Menschenverachtung eigentlich schon längst von der Wirklichkeit eingeholt, wenn nicht sogar überholt ist. Selbst ein Detail wie das umstilisierte Hakenkreuzlogo der Weltraummission ist einfach nicht mehr witzig. Zudem wird kaum eine der zahlreich angedachten Ideen zuende geführt, die Beziehungen zwischen den Charakteren sind nicht ausgearbeitet, eine Geschichte sucht man vergebens. So bleibt der Film eine Ansammlung toller Momente, starken Worldbuildings, tonaler Fehltritte und ungehobener Potenziale, die nie zu einem schlüssigen Ganzen finden.

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