Space-Satire-Sensibelchen
Mickey hat sein Leben auf der Erde quasi verkackt und verwirkt - also beschließt er sich im All (immer und immer und immer wieder) klonen zu lassen und der Menschheit, Wissenschaft, Politik und Zukunft mit "seinen" experimentellen Toden zu helfen...
Ich bin ein Klon - aber das ist OK!
Nach dem jetzt schon legendären "Parasite" konnte Bong wahrscheinlich nur verlieren und mit dieser ungemein größeren und internationaleren Produktion (zumindest im Mainstream und Durchschnitt) nur hinfallen... Finanziell wie qualitativ. Ein Rückschritt war quasi unumgehbar. Aber macht das "Mickey 17" direkt nicht gut? Hell no! Auf Dauer könnte ihm diese gemixte Rezeption zu seiner Veröffentlichung sogar zu Gute kommen. Ich mag "Mickey 17" jedenfalls sehr gerne. Er sieht durchgängig klasse aus, Pattinson zeigt einmal mehr seine speziellen Chamäleonfähigkeiten, es gibt etliche Highlights in Nebenrollen (auch wenn Ruffalo mich immer wieder herausreißt) und sowohl humortechnisch wie philosophisch hat das Teil etwas zu bieten. Sexpeditionen und Sturm-und-Drang-Satire. Ja, der starke Beginn kann nicht ganz gehalten werden. Ja, er verläuft sich teils in Nebensächlichkeiten und nicht alles wird zur vollen Zufriedenheit zu Ende gebracht und gedacht. Manchmal übernimmt sich der Film auch gefühlt, verfährt sich und der Humor ist eh nicht jedermanns Sache, wie immer höchst subjektiv. Und trotzdem und für mich persönlich gesprochen: verloren hat mich "Mickey 17" nie. Ich hatte immer etwas zu sehen, zu lachen, zu überlegen. Pattinson trägt die Show beeindruckend und nachhaltig. Mehrfach. Und selbst wenn alles nie ein "Moon", ein direkter Klassiker oder ein Verhoeven wird, manchen wohl auch nicht bissig und böse genug ist, macht Bong auch mit und in diesem Großkaliber zu wenig falsch, um ihn nicht zu den besten internationalen Großproduktionen der letzten Jahre zu zählen. Wenn Korea und Hollywood ihre Mächte vereinen... Aber da wären wir wieder bei den enormen Erwartungen.
Wurmfortsatz des eigenen Bewusstseins
Fazit: ist das Bong Joon-Hos bisher missverstandenster und unterschätztester Film?! "Mickey 17" ist eine enorm hochwertige Sci-Fi-Wundertüte - nicht ohne Längen, Leere und Wiederholungen, aber ganz sicher nie auch nur ansatzweise schlecht! Näher an "Okja", "Snowpiercer" oder "The Host" als an "Parasite", "Mother" oder "Memories of Murder". Gut bis sehr gut. Schade, dass einige ausschließlich mit noch mehr, einem Meisterwerk, gerechnet hatten.