Zwischen Zimbeln und Splatter
Es gibt Spielzeuge, die nie altern. Kuscheltiere, Puppen, Blechroboter – Relikte einer Kindheit, die längst vergangen ist und doch immer wieder in Kellern, Dachböden oder auf Flohmärkten auftauchen. Und dann gibt es diesen Affen. Mit The Monkey verfilmt Osgood Perkins eine jener Kurzgeschichten, die Stephen King seit Jahrzehnten wie kaum ein anderer Autor beherrscht: die Transformation des Banalen ins Dämonische. Ein Affe, der mit Zimbeln klatscht, als Vorbote des Todes? Klingt absurd – und genau das ist es auch. Aber es ist ein Perkins-Film und damit zugleich subtiler, böser, ironischer, als man es zunächst erwarten mag. Er versteht das Spiel mit Atmosphäre, mit Andeutungen, mit dem Unerklärlichen – und er weiß, wie man dem Bösen einen Charakter gibt. In diesem Fall einem kleinen mechanischen Affen, der mit seinem simplen Trommeln und seiner kindlich-fratzenhaften Grimasse für mehr Gänsehaut sorgt als manch ausgewachsener Dämon.
Doch wie gut funktioniert dieser Tanz zwischen Horror und schwarzem Humor? Reicht Perkins’ The Monkey an die hypnotische Wucht von Longlegs heran? Nein – aber das ist auch nicht nötig. Denn was hier auf der Leinwand passiert, ist eigen, herrlich überzeichnet und auf seine ganz eigene Art verdammt unterhaltsam. Nach dem eisigen Terror von Longlegs schlägt Perkins eine andere Richtung ein: bunter, blutiger, schwarzhumoriger. Kein gigantischer Paukenschlag wie sein letztes Meisterwerk, sondern eher ein verschmitztes Grinsen aus der Finsternis, ein morbider Scherz mit blutigem Nachgeschmack, der es schafft, unheimlich, komisch und grotesk zugleich zu sein. Wer sich auf den Affen einlässt, wird belohnt mit einem Film, der gleichermaßen amüsiert und in seiner Derbheit überrascht. Ein Werk, das seine Zuschauer mit dunkler Aura, schwarzem Humor und literweise Kunstblut verführt.
Zwei Brüder, ein Affe, ein Fluch
Produziert von Horror-Ikone James Wan, hält sich der Film erstaunlich nah an die Kurzgeschichte, erweitert sie jedoch zu einem abendfüllenden Albtraum, in dem sich Realität und Paranoia, Blut und Slapstick, Schrecken und Gelächter miteinander verflechten.
Zwei Brüder entdecken auf dem Dachboden das alte Spielzeug ihrer Kindheit – jenen berüchtigten Affen, der mit starrem Grinsen und blechernem Rhythmus ein Unheil nach dem anderen lostritt. Was folgt, ist weniger eine lineare Erzählung als eine Kette von Vignetten, in denen das Böse seinen ganz eigenen Takt schlägt. Perkins reiht Episoden aneinander, die den Affen immer wieder zum düsteren Motor machen. Was in Kings Kurzgeschichte als unheilvolle Pointe endet, entfaltet sich hier zu einem grotesken Splatter-Karneval. Ein makabrer Totentanz, bei dem jedes Klirren neues Chaos bedeutet. Zwei Brüder, zwei Lebenswege, zwei Perspektiven – und doch immer derselbe Schatten, der sie verfolgt.
Zwischen Schuld, Schicksal und schwarzem Humor
Das Drehbuch von Osgood Perkins balanciert auf einem schmalen Grat zwischen Horror und Satire. Stephen King liefert dafür wie gewohnt den Baukasten: Kindheitstrauma, familiäre Konflikte, eine unausweichliche Bedrohung, die über Generationen hinweg wirkt, ein unscheinbarer Gegenstand, der sich als monströs erweist. Das Drehbuch verwebt die King’sche Erzähltradition mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor. Dabei spielt der Film bewusst mit Übertreibungen, mit grotesken Bildern und einer fast schon albernen Lust am Splatter. Perkins hat die Gewalt comichaft überhöht, beinahe karikaturesk inszeniert. Wenn der Affe seine Becken schlägt, geht es nicht um realistische Brutalität, sondern um das groteske Spektakel. Köpfe platzen, Gliedmaßen fliegen, Körper zerbersten, das Blut spritzt in Fontänen – und doch bleibt alles so überzogen, dass man unwillkürlich schmunzelt.
Themen wie Schuld, unausweichliches Schicksal, verdrängte Kindheitstraumata und familiäre Verstrickungen sind klar erkennbar – aber sie werden nicht mit bleierner Ernsthaftigkeit serviert. Stattdessen würzt Perkins sie mit Ironie. Er trägt das Ganze mit Leichtigkeit, nie mit erhobenem Zeigefinger. Die Themen sind da, subtil verwebt, aber nie überladen. Hier zeigt sich Perkins’ Geschick: Er nimmt den Horror ernst, aber er nimmt sich selbst nicht zu ernst. The Monkey ist ein Film, der seine eigene Absurdität kennt – und sie genüsslich auskostet. Trotz all der grotesken Gewalt bleibt der Schrecken spürbar. Der Affe verliert nie seine bedrohliche Aura. Sein starres Grinsen ist so beunruhigend wie komisch, sein Beckenklirren eine makabre Fanfare, die gleichermaßen Angstschauer wie Lacher provoziert.
Die Aura des Affen
Perkins ist ein Meister der Atmosphäre, das hat er schon mehrfach bewiesen. Auch in The Monkey gelingt es ihm, eine Stimmung zu erzeugen, die zwischen Bedrohung und Groteske changiert. Seine Bildsprache ist erneut von Präzision und Eleganz geprägt. Die Kamera bleibt oft lange auf dem Affen, zeigt sein unheimliches Grinsen im Halbdunkel. Extreme Nahaufnahmen lassen ihn zur überdimensionalen Bedrohung anwachsen: Die glänzenden Glasaugen, die Zähne, die metallischen Becken – aus einem Kinderspielzeug wird so eine Ikone des Grauens. Der Affe hat eine fast schon mystische Aura, eine Präsenz, die die weit über sein banales Äußeres hinausgeht. Er wirkt wie eine bösartige Gottheit in Miniaturform.
Durch das Sounddesign entfaltet der Affe seine volle Bedrohlichkeit. Das metallische Klirren der Becken wird zum Leitmotiv, das wie ein Damoklesschwert über dem Geschehen hängt. Mal hallt es laut und drohend, mal kaum hörbar im Hintergrund, wird es zur akustischen Signatur des Todes. Hinzu kommen gezielte Soundeffekte bei den Splatter-Szenen, die bewusst übertrieben sind. Knochen, die brechen, Blut, das spritzt, Fleisch, das reißt – alles klingt ein bisschen zu viel, ein bisschen zu comicartig. Genau das macht den Charme aus: Die Gewalt wirkt nicht realistisch, sondern wie eine groteske Karikatur.
Perkins inszeniert den Film mit einer sicheren Hand. Er weiß genau, wann er die Spannung langsam aufbauen muss, wann er mit Stille arbeitet, und wann er das Chaos losbrechen lässt. Der Rhythmus stimmt, die Mischung aus Horror und Humor funktioniert. Erwähnenswert ist auch noch Theo James, der in einer Doppelrolle agiert. Er verleiht den beiden Brüdern, die vom Affen verfolgt werden, jeweils eine eigene Note: der eine verletzlich, fast naiv, der andere härter, zynischer. Das Zusammenspiel ist überzeugend und verleiht der Geschichte emotionale Tiefe, die man bei all dem Splatter fast vergessen könnte.
Fazit
Mit The Monkey gelingt Osgood Perkins ein Horrorfilm, der zugleich Parabel und Parodie ist. Er macht das Banale zum Bedrohlichen, das Grauen zum Gelächter, das Lächerliche zum Symbol. Es ist ein makabrer Zirkus, ein Splatter-Karneval, ein Tanz auf der Rasierklinge zwischen Horror und Komödie. Ein diabolischer Spaßmacher im Gewand eines Kinderspielzeugs, der das Genre mit Eleganz, Ironie und grotesker Lust am Exzess bedient. Kein feines Porzellan, sondern eher eine blutverschmierte Kirmesbude – schief, laut, absurd, aber eben verdammt unterhaltsam. Statt kühler Abgründe gibt’s schwarzen Humor, groteske Gewalt und einen dämonischen Spielzeugaffen, der jedes Mal wenn er die Becken schlägt, für ordentliches Chaos sorgt - blutig, böse, brillant überzogen.
Perkins beweist, dass Horror nicht nur erschrecken, sondern auch amüsieren darf, ohne an Tiefe zu verlieren. Es ist nicht das makellose Kunstwerk wie Longlegs, aber ein herrlich groteskes Vergnügen, das zeigt: Horror kann auch mit einem Augenzwinkern tanzen.