15 Jahre ehe sich Thomas Jane den Brustpanzer mit dem berühmten Totenkopf-Logo überstreift, geht der einstige Actionstar Dolph Lundgren (Direct Action) in einer früheren Verfilmung des Marvel-Comics "The Punisher" auf Bestrafungstour. Im Gegensatz zur qualitativ besseren Neuverfilmung geizt dieser Streifen nicht mit Action und Brutalität, bleibt aber storymäßig und den Cast betreffend hinter dem 2004er Punisher zurück.
Fünf Jahre, nachdem seine Familie durch eine Autobombe der Mafia ums Leben kam, nimmt Frank Castle (Dolph Lundgren) als Rächer namens Punisher weiterhin das Gesetz in die eigene Hand. Inzwischen gehen schon 125 Tote auf sein Konto und er ist kurz davor, die Franco-Mafia völlig auszulöschen. Als Gianni Franco (Jeroen Krabbe) die Geschäfte der Familie übernimmt und sich mit den anderen Mafiafamilien vereinen will, tritt das japanische Verbrecher-Syndikat Yakuza auf den Plan und vereitelt einen großen Drogendeal der Familien. Unter der Führung von Lady Tanaka (Kim Miyori) werden die Kinder der Familienoberhäupter entführt, um diese in die Knie zu zwingen. Widerwillen greift Castle abermals zur Waffe, um seinen bisherigen Highscore weiterhin in die Höhe zu treiben...
Zwar kann Dolph Lundgren mimisch und schauspielerisch mit Tom Jane nicht mithalten, doch funktioniert er als wortkarger und nahezu emotionsloser Einzelgänger. Hin und wieder hat man den Eindruck, dass Lundgren irgendwie unter Drogen stehen würde, doch gleicht er diese mimischen Fehltritte mit seiner Actionperformance aus. Neben "Universal Soldier" und "Dark Angel" eindeutig sein bester Actionbeitrag. Jeroen Krabbe (007 - Der Hauch des Todes) geht als Schurke ebenfalls in Ordnung, auch wenn er hier nicht so ein guter Fiesling wie in "Gnadenlos" ist. Das weibliche Oberhaupt der Yakuza wird von Kim Miyori (Metro) verkörpert, die eine schön abgrundtief fiese Schnalle abgibt. Dennoch hat der neue Punisher mit John Travolta eindeutig den besseren Finsterling zu bieten. Leider ist der von Louis Gossett Jr. (Der Prinzipal) gespielte Charakter nur eine Randfigur, die erst gegen Ende für die ohnehin dürftige Handlung wichtig wird.
Ähnlich wie die Kollegen Schwarzenegger und Stallone in ihren Ballerorgien "Commando" und "Rambo 2" feuert auch Dolph Lundgren alles aus den etlichen Projektilwaffen heraus, was sie nur herzugeben haben. Neben einer mit Granatwerfer modifizierten M60 und einer Automatic-Shotgun kommt auch das gute alte Thompson-Maschinengewehr zum Einsatz. Wenn er mal lautlos punishen will, greift er zur schallgedämpften CAR-15 oder zum Wurfmesser. Mit Genickbrüchen und anderen waffenlosen Tötungstechniken kennt sich Lundgren hier ebenso aus wie Seagal oder Van Damme. Somit ist die Erstverfilmung in Sachen brutaler Action der Neuverfilmung klar im Vorteil. Die Musikuntermalung ist hier kein heroisches Gedudel sondern besticht durch einen militärischzackigen Sound, wie man ihn schon u.a. aus Arnies "Commando" gewohnt ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich der 89er Punisher auch optisch enger an die Comicvorlage hält. Minuspunkte hat der Film jedoch in der Handlung zu verbuchen, da jene der Neuverfilmung eine Spur intelligenter und abwechslungsreicher war. Auch das berühmte Totenkopf-Logo ist nur als Messerknauf vorzufinden. Ernst nehmen kann man aber beide Verfilmungen nicht, da in beiden ab und zu die Logik "Gute Nacht" sagt. Aber wen hat das im Actionfilm, und vor allem bei den Vertretern des Genres in den 80ern, schon gestört?
"The Punisher" kann sich daher mühelos neben "Commando" und "Rambo 2" in die Reihe der hirnlosen, aber spaßigen bzw. unterhaltsamen Ballerstreifen der 80er Jahre einreihen. Auch wenn die Action hier mehr dominiert, hat mir die 2004er Neuverfilmung irgendwie besser gefallen, auch wenn beide Streifen das Herz des Action-Freunds gleich höher schlagen lassen.