Review

Geboren um zu bestrafen!

"The Punisher" hat über die Jahrzente überraschend viele Inkarnationen in Film und Fernsehen erhalten - keine Selbstverständlichkeit, wenn man sich seine Dunkelheit und Härte anschaut. Zugänglich oder familientauglich ist anders. Doch sein interessant-kaputter moralischer Kompass und seine Ausnahmestellung in Sachen Comics scheinen ihn anziehend für Verfilmungen zu machen, sozusagen der Anti-Batman. Und für mich ist der Punisher mit Dolph Lundgren noch immer der beste Vertreter seiner Art. Die zwei späteren Verfilmungen haben ebenfalls ihre Stärken und die aktuelle Serie rockt, doch dieser Spät-80er-Actioner vereint Spaß und Durchschlagskraft zu etwas ganz Besonderem. Dolph Lundgren ist wie geschaffen um den stoischen Bestrafer zu spielen und "The Punisher" von 1989 ist eine runde Sache. Mal kitschig (typisch für seinen Entstehungszeitraum), mal radikal hart - immer höllisch unterhaltsam. Besonders Frank Castles Denkweisen und die Hinterfragung von sich bzw. der Welt schießt gegen Ende ins Schwarze. Und ich kann mich nur wiederholen: der damals noch junge Schwede wurde geboren für diese Rolle!

Wir folgen Frank Castle, der schon als Punisher in der Stadt bekannt ist und auf Grund eines Bombenanschlags auf seine Familie dutzende Kriminelle über die Jahre ausgeschaltet hat. Ein unaufhaltsamer Rachefeldzug. Nun mischt sich die Yakuza ein und seine Schwarz-Weiß-Denken wird zumindest angekratzt... Dieser erste filmische Punisher kam vor Batman, vor Spawn, vor Blade und man kann etwas traurig darüber sein, wenn er nie genannt wird, wenn es um sehr ordentliche Comicverfilmungen geht. Er verbindet krachende Non-Stop-80er-Action mit einem kratzig-dreckigen Ton (zumindest so weit das damals möglich war) ohne vollkommen furztrocken und spaßlos zu erscheinen. Manch eine Nebenstory verläuft zwar ins Leere und erst sehr spät schraubt sich der Bodycount wirklich in die Höhe (eigentlich auch nur durch das "Samurai-Massaker"), doch Langeweile bleibt insgesamt ein Fremdwort. Eine Art Gegenentwurf zu den aktuellen, oft etwas glatt gebügelt wirkenden MCU-Blockbustern. Vielleicht nicht Lundgrens allergrößte Stunde, aber immer gerne im Hinterkopf oder aus der Sammlung gezogen. Kein Vergleich zu "Spawn" oder dem 90er "Captain America". Selbst ohne Totenkopf auf dem Shirt und mit etwas redundanten, hüftsteifen Actionszenen. Schade, dass einer Fortsetzung nie das Licht der Filmwelt gegönnt war. Besser hätte man das vor 30 Jahren kaum machen können. Ein Baby seiner Zeit, das wie ein Mini-DeLorean funktioniert.

Fazit: wahrscheinlich noch immer der beste Punisher auf Film. Nicht nur wegen des OST, der gut ins Ohr geht und dort bleibt. Hart, humorlos und kantig. Eines der wenigen guten Marvelwerke vor der Jahrtausendwende. Braucht nicht viele Worte. Nur Kugeln. Rache wird am besten Dolph serviert.

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