Berlin: Der ehemalige Feuerwehrmann Jules Tannenberg ist ehrenamtlich bei einem Begleittelefon-Service tätig und steht den anrufenden Frauen auf ihren nächtlichen Nachhausewegen am Apparat zur Seite. Am Abend des 6. Dezember hat er die verstörte Klara Vernet an der Strippe, die Jules über ihre missliche Lage in Kenntnis setzt: Der "Kalender-Killer", der seit einiger Zeit die Stadt unsicher macht und so genannt wird, weil er das Datum des Todestags seines nächsten Opfers mit Blut an die Wand pinselt, hat Klara im Visier und sie vor die Wahl gestellt, bis spätestens Mitternacht entweder ihren sadistischen Ehemann, den Staatssekretär Martin, der sie seit Jahren körperlich misshandelt, umzubringen... oder halt selbst den Löffel abzugeben. Während Jules versucht, der zunehmend verzweifelteren Frau, die kurz davor ist, sich selbst das Leben zu nehmen, Beistand zu leisten, beschleicht ihn das Gefühl, dass sich der "Kalender-Killer" auch in seine Wohnung geschlichen und es auf ihn und seine kleine Tochter abgesehen haben könnte... Okay, Sebastian Fitzek hat die Masche raus, wie man es als Autor auf die Bestsellerlisten schafft, indem man Bücher für Leute schreibt, die normalerweise keine Bücher lesen... aber muss denn der ganze Krempel jetzt auch noch nach und nach verfilmt werden?!? Es gibt halt kaum einen Schriftsteller, bei dessen Schmökern man sich im Vorfeld so sicher sein kann, dass einen da zwischen den Buchdeckeln statt der erhofften Spannungsmache doch nur ein himmelschreiend schwachsinnig konstruierter, aus den immergleichen Versatzstücken zusammengedeichselter Plot sowie Prosa aus der Mülltonne, bei der einem die Grasgrünen ausgehen, erwarten werden... und derlei beknackte Storylines und debil-dumme Dialoge wurden bislang ja auch schon (leider) verlustfrei in jede der bisherigen Fitzek-Adaptionen "hinübergerettet", sei es nun der mit abgewrackten Hollywoodlern ausstaffierte Thriller-Trash "Das Kind" von 2012, der sechs Jahre später immerhin etwas wertiger produzierte (aber nicht minder blöde!) Serienkiller-Mumpitz "Abgeschnitten" oder die Amazon-Mini-Serie "Die Therapie": Die "Stimme" des Autors ist da immerzu klar und deutlich zu vernehmen! Bei dem just ebenfalls auf Amazon Prime Video gedroppten "Sebastian Fitzeks Der Heimweg" potenziert sich das Grauen jedoch nochmal, denn mit Adolfo J. Kolmerer zeichnet hier ein Regisseur verantwortlich, dessen 2017er-"Schneeflöckchen" tatsächlich einer der wenigen Filme ist, die ich nicht bis zum Abspann durchgestanden habe und mittendrin abbrechen musste... was aber nur allzu passend ist, denn immerhin habe ich es bislang auch noch nicht geschafft, irgendeines von Sebastian Fitzeks Büchern zu Ende zu lesen. Dafür, dass hier ein Filmemacher, der einen unansehbaren Film gedreht hat, einen Autor verfilmt, dessen Bücher unlesbar sind, ist das Ergebnis dann aber schon fast wieder besser als gedacht: "Nur" sauschlecht statt durch und durch katastrophal. So geht Kolmerer die Angelegenheit dann wohl auch ganz im Sinne des Schreiberlings an und ignoriert solche Dinge wie Figurenzeichnung und Logik völlig, aber kleidet dafür die Handlung in eine düstere Optik und garniert diese mit ein paar vermeintlich mondänen Berlin-Bildern, die doch ganz schön kräftig abnerven. Anstatt sich dann aber wenigstens noch um ein gewisses Tempo zu bemühen und die - zumindest bei oberflächlicher Betrachtung - genregerechte Geschichte rund um den "Kalender-Killer" in dem vermeintlich flotten Pageturner-und-Cliffhanger-Erzählstil der Vorlage (mit extra kurzen Kapiteln!) ein wenig zu forcieren, bremst Kolmerers Inszenierung die Chose da mittels eingeschobener Flashbacks doch nur permanent aus und verbreitet somit nichts als Langeweile. Mit der gesamten Seifenopern-Machart könnte man sich da zugegeben noch irgendwie arrangieren, wenn "Sebastian Fitzeks Der Heimweg" nicht einerseits auf unangenehme Art und Weise mit solchen Reizthemen wie Domestic Abuse und Suizid kokettieren würde, um daraus ein bisschen fades Thriller-Entertainment zu generieren, und andererseits das stupide Finale, das da versucht den Zuschauer mit einem aus dem Hut gezogenen Twist zu überrumpeln, nicht so hochgradig schwachsinnig und ärgerlich wäre. Insgesamt also wieder mal nur ein beschämend mieser Versuch hiesiger Filmemacher in Sachen Genre-Kino an internationale Standards aufzuschließen, aber den Fitzek-Fanboys wird das wohl egal sein... und der nächste Schundroman steht ja bestimmt auch schon in der Pipeline...
2/10