Review

Was auch immer der Titel bedeuten soll ("It means to call to arms."), die bisherigen DtV-Ausflüge von Sylvester Stallone ließen meist genauso zu wünschen über wie zuvor die von Kollege Bruce Willis und dessen 'Ersatz' Mel Gibson, mit jeweils vereinzelt Ausnahmen natürlich, aber wirklich empfehlenswert war bei erstem Nachdenken davon keiner. Der letzte Spaziergang von Stallone, Armor (2024) zumindest einen Hauch besser als zuvor bspw. Backtrace (2018), die Fortsetzungen zu Escape Plan fallen irgendwie aus der Reihe, auch dort die Ergebnisse aber streitbar, meistens ist es wirklich allein der Name des Prominenten, welcher als alleinige Zugkraft zählt. Hier wird zusätzlich noch mit Eastwood, dem Junior natürlich, nicht dem Clint Eastwood, sondern der Spross, der über einige Nebenrollen in größeren Produktionen nicht hinauskam und dessen auffälligstes Werk in dem hiesigen Bereich der Dangerous (2021) mit Mel Gibson ist, klein ist die Welt, da schließt sich der Kreis:

Gdansk, Polen. Die ehemaligen Spione Joe Travers [ Scott Eastwood ], der unter dem Decknamen 'Archibald' gearbeitet hat, und seine nunmehrige Frau Lara Travers [ Willa Fitzgerald ], die als Doppelagentin auch für ein Netzwerk namens Alarum tätig war und ist, sind eigentlich auf Erholungsreise in einem schneebedeckten Wellness-Resort, wo sie das französische Paar Bridgette Rosseau [ Isis Valverde ] und Ronald Rosseau [ Joel Cohen ] kennenlernen. Bei einem Ausflug in die Weite der Landschaft entdecken Joe und Bridgette eine abgestürzte Cessna mit zwei zuvor erschossenen Piloten, Joe zusätzlich einem geheimen USB-Stick, den er noch vor der Ankunft vom 'Ausputzer'Orlin [ Mike Colter ] und seinen Mannen an sich nimmt und damit auch flieht. Währenddessen bekommt Lara den Auftrag, unbedingt Roland Rosseau zu beschützen, wird doch auch das Hotel angegriffen, zusätzlich entsendet Direktor Ronald Burbridge [ D.W. Moffett ] vom National Clandestine Service, einer Unterabteilung der CIA einen weiteren Mann zum Ausschalten von Joe und der Rückgewinnung des Sticks in die Gegend, Chester [ Sylvester Stallone ].

"Did you join Alarum?" - "Would it even matter?"

Unnötig zu erwähnen, dass Grindstone Entertainment Group hinter der Distribution steckt, den Rest der im Vorspann erwähnten Firmen kennt man im Grunde nicht, man kann Recherche betreiben, man kann es auch lassen, Bondit Media Capital sorgt zusätzlich mit für die Absicherung der überschaubaren Finanzen. Der hiesige Regisseur hat vorher auch mit Gibson gedreht, dessen Force of Nature (2020), ein Actionthriller Schrägstrich Katastrophenfilm, welcher tatsächlich eine Katastrophe an sich war, die bisherige Filmografie sowie eher eine Art Schrebergarten, von jedem ein bisschen, Wildwuchs hier, Zuchtpflanzen an, der auffälligste Film anschließend noch der wenig gesehen, aber ordentliche Terror on the Prairie (2022). Hui oder pfui ist demnach die Frage, je nachdem auch, wem man sie stellt, so lautet die Antwort, mittlerweile weiß man um die Unzulänglichkeiten des speziellen Angebotes, man kann eigentlich nur positiv überrascht werden; die Erwartungen sowieso gering.

Im Ostblock beginnt man, stilecht in Prag, vor mittlerweile sechs Jahren, ein Attentat, ein Nahkampf im Hotelzimmer, ein Sturz aus dem Fenster, und einem tatsächlich vorzeigbaren Vorspann; wenigstens Einer hat sich Gedanken gemacht und um Kreativität bemüht, der Actionregisseur im Prolog zuvor war es nicht. Hinter dem (in Ohio gedrehten) Projekt stehen im Übrigen die Flüchtigen von EFO, Randall Emmett ist anbei, seine Handpuppen Justin Routt, der als 'Regisseur' von Armor eingesetzt wurde, dazu Joel Cohen, die heilige Dreifaltigkeit, das Trio der Einfältigkeit, im Ostblock bleibt man spielen, es geht nach Polen, vorher war man in der Tschechei. Ein normales Leben und ein normales Paar spielt man hier, dabei ist man auf der Flucht, ein Lügengespinst wird aufgebaut, um die Geschichte zu füllen, eine Handlung vorgetäuscht, das hilft immer, die Aufmerksamkeit zu wecken. Eine Art Spionage- und Verschwörungsplot wird aufgezogen, geheime Nachrichten, viele Lügen und andere Märchen, dazu die Vorboten einer kommenden Drohung, einer stets gefährlichen Lage, trotz oder wegen der Abgeschiedenheit in winterlicher Natur. Eine Täuschung des Geschehens, ein Vorpielen anderer Persönlichkeiten und Identitäten, die Bilder meist gräulich bis leicht bläulich, ein bisschen Weiß, ein bisschen Schwarz, die Location isoliert, mehr oder minder nur mit dem Flugzeug zu erreichen, welches dann prompt auch mehrfach über dem Chalet hier kursiert; dann aber ein Absturz geboten, zweimal Blut und Hirnmasse an die Frontscheibe verschmiert.

Eine ungewöhnliche Art der 'Landung', sehr unauffällig auch, den Rauch sieht man bis zum Resort, zudem ist die Wandergruppe in der Nähe, eine Ärztin wird hier aber nicht mehr gebraucht, höchstens noch zum Totenschein ausfüllen. Überhaupt häufen sich hier bald die Leichen, tauchen Schergen mit Waffen wie aus dem Nichts auf, die Erzählung wird perspektivisch von einer Lagerhalle aus aufgezogen und dem Zuschauer die Zusammenhänge überhaupt erklärt, ansonsten ein großes Mysterium, eine kleine Prämisse, wie üblich demnach, mehr Erläuterung als Geschichte. Eastwood macht dabei noch die beste Rolle als "American Joe", die ersten Actionszenen seltsam abgehandelt, Mündungsfeuer und Blut sowieso aus dem Computer, dazu eine steife Montage, nichts Überzeugendes also, wie die Kommunikation eine Täuschung von Interaktion und Bewegung. Bald wird einzeln und einsam, zu zweit und gemeinsam durch den Wald gestreift, sich für den Kampf vorbereitet und/oder kryptische Nachrichten verbreitet, die Situation in der Theorie und in der Ausführung gestaltet, ein Hinauszögern eigentlich interessanter Momente, Stallone wahrscheinlich wieder nur ein Drehtag vor Ort, seine erste Szene ist ein Telefongespräch, er muss dabei nicht einmal aufstehen, die Worte einsilbig. Größe der Produktion wird durch einige Drohnenaufnahmen vorgegeben, das Meiste spielt irgendwo im Nirgendwo, eine Belagerungssituation, die taktisch und auch sonst wie keinen Sinn ergibt, ein Rumgesitze in leeren Räumen, ab und zu mal etwas Aktion, zusätzlich zum fleißigen Kommunizieren, was wären wir nur ohne Telefon.

Polish, der sich mittlerweile eigentlich mit derart Szenarien auskennen dürfte, die beiden oben erwähnten Filme waren von der Ausgangslage im Grunde nichts Anderes, weiß hier kein Druck oder gar Dynamik in das Geschehen zu bringen, Stallone sitzt beim zweiten Anruf immer noch im Zimmer, wahrscheinlich sogar im Selben. Es spielen neben den gesichts- und namenlosen bzw. maskierten Schergen als Bauernopfer vielleicht ein halbes Dutzend Leute mit, dazu noch eine Handvoll Statisten wegen der Złoty, mal geht man vor die Hoteltür, mal bleibt man unterm Bett versteckt. Trockenes, steifes Handwerk ohne Eigeninteresse und damit auch ohne Finesse, effektetechnisch eine "shit show", da hatte selbst der tragische The Best Man (2023) mehr Pepp und auch die bessere Location, ein trauriges Stück Brotverdienen hier, die Mühseligkeit der Arbeit ist fast spürbar, "You look tired." - "Hey, do not judge your book by its cover.", sie überträgt sich auf den Zuschauer, auch ein Stück Fesselung, nur verdienen manche der Mitwirkenden besser und mehr. Ein Shootout schon nach der Halbzeit wird vertagt, weil die Attackierenden die Artillerie der beiden Gegner zu 'heavy' ist, so kann man auch seinen Job erfüllen; Arbeitsverweigerung nennt man das, die erste Abmahnung hier. Bei eventuellen 'Schusswechseln' wird so getan, als ob man die Waffe abfeuert und den 'Rückstoß' spürt, das ist wie die 'Explosionen' schon fast grotesk zu sichten und zu benennen, die 10 km entfernte Stadt ist mal ein Dorf und umgekehrt, ansonsten gibt's gen Ende etwas Kirmesschießen bzw. Theaterspielen, die meiste echte Konfrontation macht noch Willa Fitzgerald; und der ganze Film wird tatsächlich mit einer Bücherverbrennung beendet.

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