Review

Kurz und knapp und eher im Nebenher angekündigte Fortführung der in Sniper: Rogue Mission (2022) und Sniper: G.R.I.T. (2023) vorbereiteten bzw. vorgestellten Ereignisse, mittlerweile Teil 11 der 1993 begonnenen Saga und mittlerweile auch ohne die dortigen Darsteller; welche ansonsten abwechselnd oder zeitgleich hier und da und dies bis einschließlich Sniper: Assassins End (2020) aufgetreten sind. Zusammengehalten wird die Reihe nunmehr bloß noch durch den in Teil 4 Sniper: Reloaded (2011) dazu gestoßenen Chad Michael Collins, der als filmischer Sohn von Tom Berenger die Gene seines Vaters geerbt hat und seitdem die Geschicke lenkt, vor der Kamera zumindest. Dabei geblieben ist auch Ryan Robbins, der als Art Sidekick seit Assassins's End anbei ist; hinfort ist erstaunlicherweise Oliver Thompson, der den letzten drei Teilen oder zumindest den letzten beiden eine deutlich andere Note als den Filmen davor gegeben hat, als Autor und dann auch als Regisseur, mit satirischer bis zynischer oder zumindest schwarz-humoristischer Tonart, was nicht allen gefallen hat, was Geschmackssache war. Vielleicht deswegen, wurden die Klagen erhört, allerdings bekommt er u.a. im Abspann eine Danksagung spendiert:

Der Scharfschütze Brandon Beckett [ Chad Michael Collins ] wird auf Wunsch seines Partners und Freundes Ezekiel 'Zero' Rosenberg [ Ryan Robbins ] und mit Einwilligung seines Vorgesetzten nach Costa Verde eingeflogen, um dort an der Festnahme des Waffenhändlers Ryker Kovalov [ Arnold Vosloo ] und seines technischen Experten Mauser Maxim [ Rob Van Vuuren ] teilzunehmen, wobei er vor allem den Neuling Luan Zondi [ Sizo Mahlangu ] beistehen soll. Unter anderem im zusammengewürfelten Team sind Annika [ Noxolo Dlamini ], eine ehemalige Polizistin, Hera [ Sharon Taylor ] und der Computerexperte Nova [ Manurl Rodriguez-Saenz ]; die "Operation Phoenix" gestaltet sich aber schnell als schwieriger als erwartet.

Mit dem Scharfschützengewehr und dies im Einsatz wird hier schon zu Beginn angefangen, gleich die erste Szene, soviel zur Beruhigung aller Gemüter, Aufatmen ist angesagt, man bleibt dem Titel treu, man geht keine fremden Wege, man liefert der Klientel das Erwartete, zu Befehl. Destinations Films steht hinter dem Werk, sowie Blue Ice Pictures, mitten in einer Operation wird begonnen, situativer Report angefordert, zwei Ziele im Visier, irgendwo in Costa Verde (gedreht wurde bei Kapstadt, Südafrika), mitten in der Einöde von Castillo de Buena Esperanza, ein Waffendeal gestört. Von zwei Seiten wird angegriffen, von außen aus der Ferne, und von innen, durch die Tunnel infiltriert, die Bodentruppen quasi, im Nahkampf versiert. Blutige Einschüsse von mehreren Seiten, Exekutionen gleich, eine alte Festung gestürmt, eine hoch militärische und taktische, dennoch oder gerade deswegen tödliche Mission. Recht detailliert teilweise die Treffer, Blut spritzt durch die Gegend, eine forsche Herangehensweise, die Situation dringlich und derbe, es läuft vieles nicht nach Plan, man macht Feindkontakt, noch vor Auslösung des Alarms. Eine hektische Eröffnung, erst in Kontrolle, dann sie komplett verloren, plötzlich der Gegner überall und in Überzahl, auch die Scharfschützen in Bedrohung; dazu eine Wunderwaffe installiert und noch nicht ausprobiert, bis auf den Ernstfall jetzt, das Ergebnis schockierend.

Warum auch immer, fängt man nach dieser Einleitung mit einer Rückblende an, ein 48h eher, ein 48h später wäre vielleicht mehr interessant, oder prinzipiell der weitere Fortgang. Was zwei Tage zuvor geschah, stand eigentlich nicht auf der Agenda, nicht zur Debatte, so geht der neue Autor aber vor, – ein narrativer Schachzug, um die Actionszenen besser zu verteilen – so ist es geschrieben, so wird es gedreht. Eine Vorstellung der Figuren, vom Todes- bzw. Selbstmordkommando, eine verbale Rückführung auf Assassin's End, darüber hinaus eine Einweisung in die Mission und auch die Erwähnung des üblicherweise von Dennis Haysbert gespielten Gabriel Stone sowie der Berenger-Figur, ein ganzes Universum hier geklärt.

Optisch ist das relativ farblos gehalten, viel Sand, viel helle Visualität, bisschen Gelb, bisschen Braun, nicht inhervorstechendes, die Produktion ist deutlich B-Picture, gibt sich aber Mühe zu überzeugen, ein paar Fehler unterlaufen. Viel abgelegene, abgewrackte Gegenden, keine wirkliche Gesellschaft, außer dem engagierten bzw. agierenden Team und den Feindbildern, dazu etwas Chitchat über die Zustände im Lande und die kürzere Vergangenheit, ein paar Erwähnungen, eine Zusammenfassung. Erst ein Meet and Greet, dann das Training, die Trockenübung, das Team mehr oder weniger zusammengewürfelt, ein paar kennen sich, der Rest ist neu und teilweise 'grün'. Mentoring wird hier geboten, die Inszenierung durchaus fest bei der Sache dran, die Kamera agil, die Vorgehensweise dafür unsicher, die chronologische Abfolge scheint verquer und verkehrt, man hätte durchaus den 'umgekehrten' Gang gehen können, nicht Schritt 2 vor Schritt 1, sondern wie es sich gehört: die Vorstellung vor der Ausführung.

Viele Anekdoten und Nachfragen später ist man bei Patriotismus angelangt und Nationalstolz, bei Freiheitskämpfern und Friedensbewegungen, bei Motivationsreden, bei einer letzten Ruhe vor dem Sturm; der Sturm wurde bereits gezeigt, nun gibt es die Nachwehen, das Nachbeben, die Auswirkungen. Eine vertrackte Situation, spielend an einem Schauplatz, sonst überall in der Welt verstreut, hier in einem Compound, abgelegen, isoliert, "Half of our team just died.", erst der Angriff, dann die Verteidigung, "We will turn this courtyard into a militia graveyard." Zuweilen hätte etwas von der Lässigkeit der Vorgänger dem Teil hier nicht geschadet, es wird etwas Pathos installiert, eher das Gegenteil dessen, man tappt in die anderen Fettnäpfchen, das Motto "Remember, we are Efile Noma Ephila" öfters zitiert, "We take our enemies dead or alive", ein The Last Stand gebildet, vorher wieder der Sermon, die Predigten, die Ansprachen und Zwiesprachen, hinterher der Fight, eine Art Alamo in der Kurzfassung, mit Feuerstunts und explodierenden, sich überschlagenden Vehikel, mit beidhändigen Schusswechseln, eine oftmals tatsächliche Stuntarbeit, später auch mit Äxten und Macheten, mit Muskeln und Stahl, in ausgiebigen Zeitlupen, mal in längeren Aufnahmen, übersichtlich gehalten, manchmal (die Detonationen) mit dem Rechenknecht erzeugt. Insgesamt waffenaffin auch, die Sprache der Technik, zumindest die Action meist überzeugend, irgendwann ermüdend aber auch.

Details
Ähnliche Filme