Review

iHaveCNit: Heldin (2025) – Petra Volpe – Tobis

Deutscher Kinostart: 27.02.2025

gesehen am 15.03.2025

Kinopolis MTZ – Kino 4 – Reihe 9, Platz 17 – 18:45 Uhr

Floria Lind arbeitet als Krankenpflegekraft in einem Krankenhaus in der Schweiz. Nach dem Urlaub tritt sie eine Nachtschicht an, bei der sie mit unterschiedlichsten Patienten zu tun haben wird und sich diese Schicht für Floria als besonders stressig und folgenreich entwickeln wird, weil die Station aufgrund eines Personalausfalls nur mit ihr und einer neuen, unerfahrenen Assistenz besetzt ist.

Zu Beginn der Pandemie wurde symbolisch für die Pflegekräfte geklatscht, um Solidarität gegenüber diesem vor allem auch in dieser Zeit wichtigen und systemrelevanten Tätigkeitsfeld zu äußern. Jedoch wirkte diese Symbolik nur wie eine Art Lippenbekenntnis, der Pflegenotstand ist ein akutes Problem, dass sich bereits im nächsten Jahrzehnt zu einem noch viel größeren, nahezu unlösbaren Problem entwickeln wird. Die Arbeit wird zwar immer die Gleiche bleiben, aber an den Umständen sollte sich auch meiner Meinung nach einiges ändern. Mit einem Fokus auf die arbeitenden Menschen und die Verantwortung die mit der Arbeit einhergeht sollten neben den Ressourcen vor Ort, verbesserter Technik im Berufsalltag auch die Anzahl der Pflegekräfte und die Bezahlung wesentlich erhöht werden, um das Pflegepersonal zu entlasten und auch die so wichtige Arbeit für unsere Gesellschaft für junge, neue Leute attraktiv und für etabliertes Personal erhaltenswert werden zu lassen. Was sich schön anhört, ist jedoch eher unlösbar. Mit dem Film „Late Shift“ im internationalen Raum, der bei uns unter dem Titel „Heldin“ veröffentlicht wird, hat sich Regisseurin Petra Volpe von dieser Thematik und einem Buch darüber von Madeline Calvelage „Unser Beruf ist nicht das Problem: Es sind die Umstände“ inspirieren lassen. Und dieser Film selbst ist ein kleines Highlight meines Film- und Kinojahres 2025 geworden. Nach „Lehrerzimmer“ und „September 5“ sehen wir hier erneut eine Leonie Benesch in einem sehr kompakten Film mit einem kompakten, komprimierten Schauplatz und einer durchaus wichtigen, komplexen Thematik und einer Frau inmitten des Geschehens. Und Leonie Benesch ist hier in absoluter Bestform. Regisseurin Petra Volpe lässt uns als Zuschauer ganz nah an Leonie Benesch den Berufsalltag einer Krankenpflegekraft teilhaben. Mit der Kamera immer ganz nah an ihr dran entwickelt der Film einen immersiven, spannenden Sog, der einen trotz klinischer Kälte und Distanz mitreißt und emotional mitnimmt. Selbst wenn vielleicht klinisches Fachpersonal diesen hier dargestellten Berufsalltag als eher banal und normal bezeichnen würde, unterstützt das die Authentizität und Bodenständigkeit in der Darstellung des Films, das eben in der Vielzahl an dargestellten Patienten und Schicksalen durchaus einen Querschnitt der Klaviatur dieses Berufsalltags darstellen kann und durch die vielschichtige Performance einer Leonie Benesch noch weiter unterstützt wird. Und der Film bleibt selbst in Momenten der Ruhe, der menschlichen Wärme und der auch ungeschönten Tragik des Berufsalltags ein absolut spannendes, immersives Erlebnis, der mit seinem wichtigen Thema einfach sehenswert und empfehlenswert ist und eine kleine wichtige filmische Liebeserklärung an den Berufstand von Pflegefachkräften darstellen kann.

„Heldin“ - My First Look – 10/10 Punkte




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