Leonie Benesch scheint auf Stress abonniert. In DAS LEHRERZIMMER (2023) spielte sie eine engagierte Lehrerin, gegen die sich Kollegen und Eltern stellen, in SEPTEMBER 5 (2024) war sie Dolmetscherin während des Münchner Olympia-Attentats, nun stellt sie eine Pflegekraft in der Spätschicht dar. Allen Filmen gemein ist ihr semidokumentarischer Stil und ihre nervöse Atmosphäre.
HELDIN, der schweizerische Oscarbeitrag 2026, hätte genausogut ein Dokumentarfilm sein können – wenn man mit echten Patienten und Pflegepersonal so hätte drehen dürfen. Wir folgen der Krankenschwester Floria über ihre gesamte Schicht hinweg. Obwohl der Film nur 90 Minuten dauert und die Ereignisse offensichtlich komprimiert sind, fühlt es sich an, als seien wir in Echtzeit dabei. Busfahrt, Spind, Patientenübergabe, erste Runde. Dankbare Patienten und undankbare, unvernünftige Patienten und unzurechnungsfähige, ausgefallene Kolleginnen, überforderte Pflegerinnen, nicht erreichbare Ärzte.
Florias Arbeit beginnt strukturiert, wird mit zunehmenden Aufgaben, „Notfällen“ und Unvorhersehbarkeiten jedoch immer unübersichtlicher, bis sie ihrem eigenen Anspruch schlichtweg nicht mehr gerecht werden kann. Dabei ist Floria das Idealbild einer guten Pflegekraft, verantwortungsvoll und immer freundlich, sie singt mit der demenzkranken alten Dame ein Schlaflied, trägt dem beschäftigten Geschäftsmann seine Unterhose hinterher, bleibt lange ruhig im Umgang mit dem arroganten Privatpatienten und schaut sich Hundebilder eines besorgten Patienten an.
Das mag banal oder gar kitschig klingen, wirkt jedoch wie ein Thrillerdrama. Die Stimmung ist von Anfang bis Ende beunruhigend, das Tempo hoch und wer sich in Krankenhäusern ohnehin unwohl fühlt, wird die Atmosphäre des Films noch lange mit sich tragen.