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Das Mobiltelefon einfach mal daheim lassen, - manche zeitgenössische Thriller würden mit dieser Maßnahme nicht funktionieren, da der ständige Wegbegleiter nur selten aus der Hand gegeben wird. Regisseur Christopher Landon versteht es, daraus eine ansprechende Mischung aus Aufregung auf mehreren Ebenen zu generieren.

Für Violet (Meghann Fahy) ist es das erste Date seit der Geburt ihres Sohnes und der Trennung von ihrem Mann. In einem edlen Restaurant in luftiger Höhe Chicagos trifft sie auf den Fotografen Henry (Brandon Sklenar), mit dem sie seit drei Monaten chattet. Doch dann erhält sie bedrohliche Nachrichten auf ihrem Handy und der Drahtzieher erpresst sie mit dem Leben ihres Sohnes…

Es mag altmodisch klingen, doch wie unromantisch bitte ist ein Rendezvous, wenn das Smartphone neben der Person auf dem Tisch liegt und ständig damit abgelenkt ist? Folgerichtig erhält Henry von Vornherein nicht die angemessene Aufmerksamkeit, was dieser mit einer ungewöhnlichen Portion Wohlwollen quittiert. Anderweitig kann man sich gut in Violets Situation hineinversetzen: Daheim könnte ihre Schwester Stress mit dem Fünfjährigen haben, zunächst sind die garstigen Botschaften mindestens einschüchternd und ärgerlich und kurz darauf beginnt ein Whodunit, weil es nahe liegt, dass sich der Erpresser zumindest in der Nähe des Restaurants befindet, wenn nicht gar unter den Gästen.

Geschickt wird eine Weile an der Spannungsschraube gedreht, während die Textnachrichten optisch ansprechend in der Luft oder am Panoramafenster erscheinen. Fahy mimt die unter hohem Druck handelnde Protagonistin jederzeit überzeugend, während Sklenar so zurückhaltend performt, dass seiner Figur jede eventuelle Wendung abgenommen wird. Und dann gibt es ja auch noch die Exposition mit einer bedrohlichen Lage für Violet, an die im Verlauf gewiss noch einmal angeknüpft werden dürfte.

Obgleich die Chose mitunter ein wenig kammerspielartig anmutet, da sich bis auf Anfang und Finale nahezu alles in den Räumlichkeiten des Restaurants abspielt, wird genügend Abwechslung geboten. Schon allein durch verschiedene Verdachtsmomente gegenüber Gästen und Personal, wobei die erfahrene Bardame und der schwule Kellner in seiner ersten Arbeitswoche beinahe ein wenig überzeichnet werden.

Das Erzähltempo bleibt kontinuierlich hoch, während die Situation im Restaurant zusehends zu eskalieren droht, zumal die Forderungen immer grantiger werden. Dies geht nicht ohne einige arg konstruierte Begebenheiten vonstatten und die Glaubwürdigkeit geht in einigen Situationen merklich flöten, was speziell auf den Showdown zutrifft. Ein, zwei Enthüllungen überraschen dennoch und selbst hinsichtlich der Exposition scheint ebenfalls nicht alles eindeutig.

Am Ende des Tages kann ein Date durchaus ansprechende Turbulenzen mit sich bringen und Tempo und Spannungsgehalt sprechen über weite Teile für sich. Genauer durchleuchtet ergeben zwar nicht alle Hintergründe einen Sinn, doch die überzeugenden Performances und das passable Timing rechtfertigen durchaus eine Sichtung für Genrefreunde.
6,5 von 10



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