Der selbstzweckhafte Versuch eigengequirlter Scheisse!
Sie haben Hochkonjunktur auf dem freien Filmmarkt: Die eigeninterpretierten Auffassungen ehemaliger Disneyverfilmter Romanfiguren. Nachdem die Lizenzen einiger altbackener Figuren des mächtigen Walt Disney Konzerns abgeflötet sind, darf sich jedermann an den Thematiken bedienen, wie am Selbstbedienungsbuffet. Zuerst musste der arme Winnie Puuh Bär dran glauben, danach Mickey Maus (die erste Version Steamboat), gefolgt von Bambi und nu erwischt 's den drolligen Peter Panski. Man liess es sich nicht nehmen,die Figuren frei Haus zu Horrorfilmen a la Slasher Modern Art lieblos zu verquirlen, um Ihnen den letzten Funken Anständigkeit brutal zu berauben und Kindern entgültig den geliebten Zeichentrickdrollies vergangener Dekaden den Schrecken in die Augen zu treiben. Die Macher des neuartigen "Poohniverse" setzten hier wieder gnadenlos auf blutigen Slasher, besetzten auch diesen Streifen mit unverbrauchten Newcomern, die den wenigsten bekannt sein dürften und auf das Budget dürfte der Billigstreifen ohnehin nicht gross geschlagen haben! Jedenfalls schlägt auch das neueste Werk der Freeagencyverwurster in dieselbe Kerbe, wie bereits, "Winnie, the Pooh" und genau das sorgt für üble Magenverstimmungen.
Der ehemalige Zirkusclown Peter Pan, der mit Vorliebe kleine Jungs entführt und unter Drogen setzt, um Ihnen die letzte Reise ins Nimmerland zu vermitteln, was nichts anderes bedeutet, die Kinder ins Jenseits zu befördern, entführt den pubertären Michael, verschleppt ihn in seine baufällige, eigens eingerichtete Spielbruchbude, um den Jungen zu erlösen. Doch dessen grössere Schwester Wendy macht sich auf die Suche nach dem gekidnappten Teenie und erlebt die beliebte Kinderromanfigur neu auf ihre eigene Weise; nämlich psychopathisch, soziopathisch und voll auf Drogen im Blutrausch. Auch der/die/das gekleidete Tinker Bell, vollgedröhnte und irre/r/s Helferlein von Scarface Kinderhasser Pan lebt in der Neverland Nightmare Zwischenwelt. Kann Wendy ihren armen Bruder aus den Klauen der beiden Freaks befreien, bevor dieser seine absolute Reise ins Niemalsmärchenland antritt?
Eins vorweg, das Handlungsgerüst ist, wie bei allen Konserven aus der Pooniverse Serie, schlichtweg dünn und wacklig wie Göttergrütze, was Kenner der Szene im Vornehinein bewusst gewesen sein dürfte, aber nicht den heiligen Gral dieser Disneyploitation stellt. Vielmehr spiegelt die Eigenversion eines Kidnapperdramas eine recht fragwürdige Parallele zu zeitgemässen Kinodiamanten wie "Black Phone" und ändert den Kern einfach strunzhohl sowie unglaubwürdig in die zelluloide Tat um. Ein freakiger Drogenjunkie mit soziopathischer Ader und den Hass auf Kinder einfach ein Peter Pan Kostüm unterzujubeln und herumschnetzeln zu lassen,dazu die Fee Tinker Bell als grausig anzuschauende Transenbitch darzustellen, die böse einen an der Waffel hat, das grenzt schier an unvernünftiger Arbeitsmoral und spottet jeglichen Kreativköpfen dieses achso beliebten Filmgenres .
Hauptfigur Pan fährt zunächst mal die pseudo-psychologische Schiene a la "ES" und vermag auch mit dessen Utensilien wie Luftballoons zu frohlocken, sieht er doch eher aus wie eine schäbig aufgewärmte Schattenfigur vom "Joker". Und während der Plot eher marginal vor sich hindümpelt und dabei nach Schema F des Genres durchjoggt, ohne dabei grosse Haken zu schlagen, bleibt hervorhebend zu erwähnen, das dies B-C Filmchen mit grafischer Gewalt klotzt. Die Scheinparabel des Coming of Age unseres Opferjungen mit schlechter Matte auf dem Kopf, dient als vorgeprügelter Vorwand, um halt nicht nur als unschöner Splatter ohne verwertbaren Ideen und miserablen Skript dazustehen. Doch auch diese Illusion wird bald enttarnt.
Der gezeigte Cast hat Mühe, in höheren Gefilden abzuliefern, bleibt das Semi-unterhaltsame Möchtegern-Horrorfilmchen mehr unterirdische Serienmörderkost, der sich vielmehr an grossartigen Vorbildern gelabt hat, als übernatürlich-mystischer Fantasygrusel. Grund genug, den dummen Plot durch blutigen Gore aufzuwerten. Dieses Mittel der Verzweiflung allerdings hat sich bisher nur in wenigen Filmen des Horrorgenres bewährt. Und so bleibt auch "Peter Pans Neverland Nightmare" nur ein kleiner, unverdaulicher Kloss im grossen Niemalsland der schlechtesten Filme aller Zeiten.
Ein groteskes, aber blutrünstiges Spektakel, das grossen Entführungsschockern wie "Black Phone" nachfrönt. Schauspielerisch unterdurchschnittlich, handlungstechnisch einfach schachmatt. Ideenlos, unkreativ, langweilig und schlampig. Maske tragen kann jeder, ohne Scheiss! Hardcore Fans allerdings könnten Gefallen dran finden.
Ist die FSK:18 Freigabe gerechtfertigt? Auf alle Fälle muss ich ein Ja attestieren. In manchen Szenen geht es recht ruppig und splattrig zu Werke. Nicht am laufenden Band, sondern dosiert eingestreut.