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Damian Lee kennt man in erster Linie als B-Actionregisseur, doch früh in seiner Karriere drehte er den halbwegs bekannten Tierhorrorfilm „Die Stunde der Ratte“.
Kulisse des illustren Treibens ist eine Universität, deren Naturwissenschaftler auch reichlich Zeit mit Forschung im Labor verbringen. Neil Hamilton (Paul Coufus) experimentiert mit Pflanzen, die Kollegen betreiben umstrittene Krebsforschung an Tieren. Dagegen protestieren einige studentische Aktivisten, wobei „Die Stunde der Ratte“ diese mit einer gewissen Häme als idealistische Idioten zeichnet, die in ihrem Ökofanatismus kaum besser als so mancher skrupellose Wissenschaftler ist – also genug Gewissheit, dass es beide Parteien dahinraffen wird.
Neil bekommt den Anruf einer Kollegin, deren neuartiges Wachstumshormon bei einem kleinen Jungen zu gut angeschlagen hat: Der Racker ist riesig geworden und schnell muss ein Gegenmittel her, da die Eltern wichtige Leute sind. Also holt Neil das Zeug, experimentiert an Pflanzen damit und sucht nach einer Lösung. Bald ist die Forschung am lebenden Objekt nötig, weshalb man Laborratten heranholt. Eine wird nur injiziert, die anderen fressen aber das behandelte Obst, was natürlich auch zum Wachstum führt. Ein versteckter Seitenhieb in Richtung jener Wissenschaftler, die darin die Lösung des Welthungerproblems sehen? Eher nicht, denn sonst macht sich „Die Stunde der Ratte“ auch nicht viele Gedanken.

Natürlich bricht die Tierschützermeute in das Labor ein und lässt die Biester versehentlich frei, wofür dem Anführer Öko-Fanatiker zum Dank das Gesicht weggefressen wird. Allerdings vertuscht die Uni-Leitung den Vorfall...
Was dem weißen Hai also seine Touristensaison, das sind der Rattenstunde ihre Campuseröffnungsfeier. Insofern funktioniert Tierhorror sowieso häufig nach dem gleichen Muster, das Event passt sich halt dem Viehzeug an. Insofern verwundert es auch nicht, dass der Plot von „Die Stunde der Ratte“ von vorn bis hinten vorhersehbar und daher wenig spannend ist: Immer wieder werden Neben- und Randfiguren verknurpst, wobei recht klar ist, wen es erwischt, und zum Schluss kommt es natürlich genau beim wichtigen Event zur Katastrophe. Inmitten des Ganzen stehen der umsichtige Wissenschaftler und die gemäßigte Tierschützerin, dazu noch ein Liebespaar, also diejenigen, die aus dem jeweiligen Lager überleben dürfen und nebenher noch die Helden abgeben.
Was „Die Stunde der Ratte“ dann einen gewissen Kultstatus beschert haben dürfte, das ist die recht trashige Umsetzung, die mit diversen abstrusen Ideen aufwartet. Erinnert aus heutiger Warte etwas an „Snakes on a Plane“, war nur nicht so offen als Parodie angelegt. Doch wenn die Ratten einem Opfer beim Pinkeln in den nackten Arsch beißen, Kammerjäger mit dicken Flammenwerfern rumrennen und eine der krudesten Traumszenen aller Zeiten präsentiert wird, dann ist das schon reichlich absurd. Ebenso trashig auch die Effekte, bei denen man Aufnahmen normaler Ratten ins Bild kopiert, sodass sie besonders groß erscheinen oder für die Bissszenen dann modellierte Ratten ins Bild gehalten werden und die Kamera hektisch wackelt, um die Marke Eigenbau Herkunft selbiger zu vertuschen.

Was jedoch nicht bedeutet, dass „Die Stunde der Ratte“ komplett langweilig wäre. Es ist recht unterhaltsamer Trash, der mit seinem Billigcharme nicht ungeschickt kokettiert und schlicht und einfach Schauwert an Schauwert reiht. Die Rattenattacken sind dicht gesät, mit dem Kunstblut wird reichlich rumgesaut und trotz ihrer billigen Art haftet den Tricks noch der Charme des Handgemachten an. Zudem nimmt sich der Film nie ganz ernst, nur über die etwas dämliche Schlusspointe breitet man besser den Mantel des Schweigens.
Den Darstellern war nach diesem Werk dann auch keine große Karriere vergönnt, was aber nicht unbedingt an ihrer Leistung liegt. Die Belegschaft spielt durchweg solide, Meisterleistungen sehen anders aus, aber sie bemühen sich noch, sodass „Die Stunde der Ratte“ zumindest schauspielerisch noch über Trash-Niveau liegt.

Freunde des etwas kruderen Films dürfen sich an diesem Kuriosum durchaus delektieren, eine echte Trash-Granate ist allerdings noch nicht. Doch das Gemisch bietet immerhin genug durchschaubare FX, Kunstblut und abstruse Einfälle um kurzzeitig Vergnügen zu bieten.

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