Mal wieder ein Action-Tatort. Trivial, etwas überladen, aber mit ernstem Hintergrundstoff und handwerklich superb auf Kino-Niveau gedreht. Gerne mehr davon!
Ein Scharfschütze erschiesst mitten in Berlin einen Passanten. Dieser war mal Bundestagsabgeordneter und jetzt Wirtschaftsfunktionär. Ein politisches Motiv? Die Zeit drängt, denn ein Staatsbesuch steht bevor. Recht schnell finden die Ermittler eine Spur in die jüngere Vergangenheit des Opfers. Ein Skandal wurde vertuscht, an dem noch weitere Personen beteiligt waren. Schon bald schlägt der Sniper wieder zu. Alles hängt mit einem Besuch in Afghanistan zusammen. Damals war eine Bundeswehrmaschine aufgrund einer geänderten Gefahrenlage ohne die geplanten Flüchtlinge gestartet, um eine politische Delegation auf deren Druck schneller in Sicherheit zu bringen. Im Untersuchungsausschuss wurde der Fall heruntergespielt und verschwand in den Akten. Bald schon stößt man auf einen ehemaligen Elite-Soldaten, der jetzt scheinbar durchdreht. Trotz Personenschutz gibt es ein drittes Opfer! Kann man den Wahnsinnigen stoppen? Denn eine Person steht noch auf der Todesliste....
Auch wenn die Folge nicht sehr anspruchsvoll ist, ist doch der Kommentar zu den realen Ereignissen um den überstürzten Abzug aus Afghanistan ein bitteres Mahnmal. Was die Folge auszeichnet, ist die unglaublich intensive Inszenierung. Ungemein spannend, stets mit eingeblendetem Timer. Denn die Handlung läuft fast in Echtzeit ab, alles spielt innerhalb eines Tages. Handwerklich ist der Film ein Hochgenuss. Wirklich gute Kameraführung, visuell 1a! Und Mark Waschke spielt herrausragend gut, seine sonst etwas steife und unterkühlte Figur darf hier mal richtig emotional sein.
"Tatort" muss ja nicht immer Sozialdrama sein, diese Actionfolge hat mich voll überzeugt!