Auf den ersten Blick scheint es reichlich widersprüchlich, einen Agentenfilm ausschließlich mit einem iPhone zu drehen, denn wie soll sich so die volle Action entfalten? Doch das Konzept von Regisseur Neil Burger geht größtenteils auf, da fast ausschließlich eine Person im Fokus steht.
New York: Maya (Phoebe Dynevor) pflegte ihre Mutter bis zum Tod. Bei ihrer Beerdigung taucht ihr entfremdeter Vater Sam (Rhys Ifans) auf, der in den vergangenen Jahren internationale Geschäfte pflegte und Maya ein überaus lukratives Jobangebot macht. Gemeinsam reisen sie nach Ägypten, doch dann wird Sam entführt und Maya muss einen bestimmten Gegenstand besorgen, um Sams Leben zu retten…
Handkameras gestalteten sich in den letzten Jahren oftmals als Ärgernis, wenn verwackelte Bilder in womöglich düsterer Umgebung den Sehgenuss merklich trübten. Hier sind hingegen versierte Profis am Werk, die stets in der unmittelbaren Nähe der Protagonistin agieren, welche dadurch automatisch in den Mittelpunkt rückt. Viel bekommt man von der jungen Frau allerdings nicht mit. Sie scheint kleptomanisch veranlagt, ist nicht gerade eine Frohnatur, doch sie will ihrem Dad definitiv eine zweite Chance einräumen.
Und so geht es reihum von Ägypten nach Indien und zuletzt nach Südkorea, während Maya stets auf sich allein gestellt ist und mit den wenigen Information, welche ihr per Mobiltelefon oder Tablet zugespielt werden handeln muss. Hier kristallisiert sich allerdings auch die Schwammigkeit der Geschichte heraus. Offenbar haben es einige Instanzen auf jenes ominöse Stück abgesehen, doch konkrete Gegner gibt es nicht, mal abgesehen von der Polizei, die hier und wieder und in allen erdenklichen Situationen etwas zu konstruiert auftaucht.
Demgegenüber wird effektiv am Spannungsbogen gewerkelt. Während in Ägypten zunächst nur Anweisungen befolgt werden, entpuppt sich eine Hatz mit einem Motorradtaxi durch Neu Delhi als ziemlich genial gefilmt, wodurch die Vorzüge der Kamerawahl sogleich ins Auge stechen, zumal die engen Gassen im Kontext mit der Geschwindigkeit ein nachvollziehbares Gefühl der Flucht vermitteln. Auch das Gefühl von Paranoia wächst, wenn Maya zahlreiche Passanten nachgaffen, - wahrscheinlich schnitt man nicht wenige Passagen, in denen Menschen direkt mit dem Finger in die Kamera deuteten.
Somit wächst zwar das latente Bewusstsein leichten Verfolgungswahns, doch anderweitig fragt man sich eben, wer überhaupt ein konkretes Interesse an Maya und ihrem ominösen Gegenstand hat, was bis zuletzt eher nebulös bleibt. Zwar gibt es final auch in Seoul ein paar effektiv gewählte Schauplätze, doch die anberaumten Twists entpuppen sich leider als erahnbar und wenig überraschend. Die eigentliche Handlung bleibt das Manko des Unterfangens.
Dennoch kann man der mutigen Machart ein Lob aussprechen, gleiches gilt für Hauptdarstellerin Dynevor, die nie drüber performt und eine bodenständige und solide Leistung abliefert. Schon aufgrund der verschiedenen Schauplatzwechsel wird für Abwechslung gesorgt, was allerdings fehlt, ist die notwendige Intensität aufgrund einer eindeutigen Bedrohung, die hier zu schwammig bleibt. Die authentisch anmutenden Bilder stehen am Ende jedoch auf der Habenseite.
6,5 von 10