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In diesem von Richard Linklater inszenierten filmischen Ausschnitt aus dem Leben des Texters Lorenz Hart erklingt der titelgebende Song zwischen einigen weiteren Stücken, die von dem Pianisten nahe der Bar dargeboten werden. Doch sieht man zu Beginn erst einmal die Hauptfigur im Regen sterben, bevor die den Film ausfüllende Rückblende einen Abend seines Lebens zeigt. An diesem hat das Musical „Oklahoma!“ Premiere, was einen großen Erfolg für Harts ehemaligen Kollaborationspartner Richard Rodgers darstellt. 
Und so verbringt man den Großteil des Films an Harts Lippen hängend. Denn nicht nur ist „Blue Moon“ als eine Art Kammerspiel überaus redselig, der Film ist hierin auch noch pointiert geschrieben und liefert treffsichere Zeilen. Auf den Punkt, mit Esprit, witzig, dabei jedoch auch immer von einer gewissen Bitterkeit durchzogen. Denn Hart leidet hinter der brüchigen Fassade, was Ethan Hawke nuanciert und durchweg gekonnt spielt. Der Film ist zentriert auf ihn und es gelingt ihm von der ersten bis zur letzten Minute eine sehenswerte Leistung, in der man sich wie in der stimmungsvollen Ausstattung verlieren kann.

Grundlage hierfür ist ein ebenso gelungenes Skript, welches sich den verbrieften Eigenschaften der neurotischen Hauptfigur nähert und trotz mancher Fiktionalisierung den Eindruck vermittelt, man würde in dieser kurzen Zeit der Figur nahe kommen. Diesem Charakter, der sich so an etwas klammert, das es mitunter schmerzt. Auch in den Nebenrollen ist der Streifen mit Margret Qualley, Andrew Scott und Bobby Cannavale gut besetzt. Über das aufspielende Nebenrollen-Ensemble kann man sich nicht beschweren, für mich sticht aus diesem Patrick Kennedy als E. B. White nochmals heraus. „Blue Moon“ lebt von seinem Cast und ist für Liebhaber des Schauspielkinos eine lohnende Angelegenheit. 

„But really, who wants inoffensive Art?“

Hawke trägt den Film mit dem pointiert geschriebenen Skript über die Lauflänge und so sitzt man knapp hundert Minuten mit an der Bar und lauscht gebannt den witzigen und doch bitteren Worten eines vor Verlangen berstenden Menschen. 

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