Review

Ein Whiskyfilm

In einem beeindruckenden regietechnischen Tandem mit dem selbstredend quirligeren und im Kern doch nicht unähnlichen "Nouvelle Vague" haut Richard Linklater dieses Jahr zusätzlich noch "Blue Moon" raus, in dem wir einem der berühmtesten, begabtesten, exzentrischsten, bisexuellsten Trinker und Musicalschreiber folgen, den die USA je hervorgebracht haben, am Abend der Premiere von "Oklahoma!", in einer moody Bar, sechs Monate vor seinem Tod...

Geschwätzig und gut

Im Grunde auch Kammerpiel, Theaterstück und Essay, wirkt "Blue Moon" trotzdem erstaunlich frisch und fesselnd. Selbst wenn man nichts mit dem Protagonisten bzw. Musicals anfangen kann. Eine Kunst. Und dafür kann sich "Blue Moon" vor allem bei Ethan Hawke und Linklaters Schreibe bedanken. Zwischen "My Dinner With Andre" und Woody Allen, zwischen Cocktail und Piano, zwischen Alkoholismus und Genie... "Blue Moon" ließ mich durchgehend an Hawkes Lippen kleben. Rauchig, redselig, raffiniert. Clever und frech. Hawke ist ein Highlight. Aber auch die Einrichtung der Bar, Cannavale als Barkeeper, die legendär attraktive Qualley, das messerscharfe Drehbuch, die whiskyschwangere Stimmung samt Themen wie Liebe, Kunst und Selbstzweifel... an "Blue Moon" stimmt eine Menge und ich würde durchaus sagen, dass das schon und noch immer Linklater in Topform ist. Gerade wenn man es schafft so etwas "Langweiliges" so fesselnd, faselnd und famos zu gestalten, dann hat man als Regisseur eine Menge mit seinem Film richtig gemacht.

Vulgär extraordinaire

Fazit: Ein eigentlich thematisch (für mich) komplett ödes, fremdes Sujet wird durch die inszenatorische Klasse Linklaters und die schauspielerische Brillanz Hawkes durchgehend fesselnd, famos und flott. Atmosphäre und berechtigte Arroganz. Schwanzlutscher und Poeten. Ein Vibefilm.

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