Eine eingeschränkte Sicht auf die Dinge kann speziell beim Horrorfilm ein Vorteil sein. Der Vorreiter bleibt natürlich „Blair Witch Projekt“, aber auch die Reihe um „Paranormal Activity“ brachte einige Vorzüge von Found Footage hervor. Doch in einigen Fällen geht jene Herangehensweise nach hinten los, wie der Beitrag von Autor und Regisseur Pablo Absento offenbart.
Während Marinesoldat Jack in der Türkei dienstlich festsitzt, machen seine Frau Hannah und die beiden Söhne Kyle und Steve Urlaub im ländlichen Bereich von Tokio. Nachdem Kyle fast in einem Teich ertrank, neigt er kurz danach zu mysteriösen und verängstigenden Verhaltensweisen. Er beißt seinen Bruder und entwickelt einen ausgeprägten Heißhunger auf Gurken. Jack recherchiert und stößt bald auf die dämonische Gestalt des Kappa, von dem Kyle besessen sein muss…
Die Inszenierung tendiert mehr in Richtung Screenlife-Footage, denn die meiste Zeit wohnt man den Aktionen Jacks am Monitor bei, wie der klickt und Fenster verschiebt, telefoniert und Videos sichtet. Alles weitere wird per Handyvideos oder Überwachungskameras geliefert, wobei es bereits arg konstruiert anmutet, dass jemand nicht nur eine anstehende Geburt, sondern die daraus resultierende Fehlgeburt und anschließende Trauer filmt, oder gar, wie später die Asche verstreut wird.
Folgerichtig bekommt man von der Wandlung des Sohnes auch nur Bruchstücke mit, da Mutter Hannah offenbar nicht so häufig mit Videoaufzeichnungen zu Werke geht und erst später einige Bilder installierter Überwachungskameras zum Einsatz kommen. Da der Kappa augenscheinlich auch digitale Medien beeinflussen kann, gehen Veränderungen nicht selten mit Bildstörungen und argen Verpixelungen einher, was sich im Verlauf als zunehmend frustrierend herauskristallisiert.
Überdies könnten sich die Ereignisse auch irgendwo in der Welt abspielen, da man von der Umgebung Japans wenig mitbekommt und der Besuch eines Freundes bei einem Mönch schon beinahe zum lächerlichen Klischee verkommt. Jener Kamerad steuert ohnehin nicht viel zur Handlung bei, denn gerade, als er sich auf eine nächtliche Mission begibt, ist nahezu nichts zu erkennen. Gleiches gilt fürs überhastete Finale, bei dem lediglich Pixelbrocken übrig bleiben.
Der Rest besteht aus zwar teils gruseligen Bildern und Videoschnipseln, doch andere Materialien und Kontakte zeugen von arger Willkür und wenig Glaubwürdigkeit.
Scheinbar war sich Macher Absento selbst nicht so sicher ob der Wirkung seiner Bilder, weshalb ein zusätzlicher Score bemüht wurde, was bei der Form der Inszenierung eher ungewöhnlich ist. Überlappende Fenster und unzählige Klicks sind wahrlich nicht die effektivste Herangehensweise, einem Dämon per Home Office auf die Spur zu kommen.
3,5 von 10