Review

„Vorsicht! Meg Ryan zeigt alles" heißt es auf dem Cover der DVD. Rein rhetorisch gesehen ist diese Formulierung eher unglücklich gewählt, da sie nicht präzisiert, ob es sich um körperliche Reize oder das innere Seelenleben von Hollywoods ehemals knuffigster Blondine handelt. Wohl aber eher Ersteres, da „In the Cut" es nicht vermag, zu Tiefgang oder ähnlichen Dingen, die einen anspruchsvollen Film ausmachen, vorzudringen. Und „vordringen" könnte man wiederum mit dem Vollzug des Geschlechtsaktes in Verbindung bringen, was wiederum aufzeigt, wie oberflächlich es hier - im wahrsten Sinne des Wortes - zur Sache geht. Aber genug dieses Diskurses und explizit - noch so ein missverständliches Wort - zum Film.

Es geht um die junge Literaturprofessorin Frannie (diesmal eher glanzlos: Meg Ryan), die gerade an einem neuen Buch über Slang arbeitet und sich als Singlefrau durchs Leben kämpft. Auf der Toilette einer Bar beobachtet sie irgendwann, wie eine Frau einen Mann mit Tattoo oral befriedigt. Leicht irritiert denkt sie sich nichts dabei. Doch kurze Zeit später wird diese Frau ermordet aufgefunden - der Beginn einer blutigen Mordserie. Detective Malloy (Mark Ruffalo), der Ermittelnde in dieser Sache, tritt in ihr Leben und die beiden beginnen eine Affäre. Bis sich herausstellt, dass auch er als Täter in Frage kommt...

Wenn man sich diesen kurzen Abriss der Handlung vor Augen führt, knüpft der wissende Cineast eine Verbindung zu einem anderen Werk: „Basic Instinct" von Paul Verhoeven. Nur dass hier eben die Rollen vertauscht sind. Der Detective - ein enorm gelangweilter Mark Ruffalo ("Zodiac", 2007) - ist hier der Verdächtige und nicht die mysteriöse Frau. Das war´s dann aber auch mit der Originalität dieses Plots. Äußerst arm an Spannung und reich an nackter Haut plätschert die austauschbare Thrillerhandlung vor sich hin - durchsetzt von Erotikszenen mit einer recht zeigefreudigen Meg Ryan, die wiederholt ihren entblößten, wohlgeformten Busen ins Objektiv der beinahe nie still stehenden, fast schon nervösen Kamera hält. Der zuweilen zerfahren wirkende und Unruhe verbreitende Filmschnitt tut sein übriges, um den Eindruck eines gewissen filmtechnischen Dilettantismus zu untermauern. Zwischendrin passieren dann mal ein paar äußerst blutige Morde, was einen aber irgendwie kalt lässt. Und schon fühlt man sich an einen weiteren Verhoeven-Film erinnert: „Flesh & Blood". Klar gibt es hier keine brandschatzenden Ritter, doch sind genau Fleisch und Blut die Zutaten für diese inhaltsarme Filmgurke, die sich mit dem verheißungsvollen Titel „In the Cut" schmückt.

Auch scheint Regisseurin und Drehbuchautorin Jane Campion, die mit „Das Piano" schon einmal das Porträt einer emanzipierten Frau zeichnete, hier ihren filmischen Kommentar zum Feminismus durch unverblümte Vulgarismen - wie sie auch im Verhoev´schen Ritterspektakel vorkamen - fortzuführen. Das Wort - pardon für soviel Direktheit - „Ficken" spielt dabei eine so große Rolle, dass man Meg Ryan und allen anderen promiskuitiven Protagonisten und -Innen eine naive Freude an der Anstößigkeit solcher schmutziger Bemerkungen und Themenwahl unterstellen kann. Dabei erhalten diese Figuren nie Tiefe, bleiben eindimensionale Abziehbilder aus der Klischee-Kiste. „Skandal" oder besser: „Aufgepasst!" tönt es dann aus allen Richtungen, wenn am Anfang des Films ein Blowjob in Großaufnahme gezeigt wird oder sich später die Silhouette von Meg Ryans Unterleib im Halbdunkel eines an die Sets von Softerotikfilmen erinnernden Zimmers abzeichnet. Doch jenseits dieser billigen Ebene der Fleischbeschau hat „In the Cut" kaum etwas zu bieten als ästhetische Bilder aufgeheizter Sexualität, die doch - hach - die Vollendung des Feminismus im unglücklichen Singleleben als Tribut für die Selbstverwirklichung sieht. Diese Viskosität in den Motiven der Handlung gipfelt in einem an Absurdität kaum zu steigerndem und somit albernem Finale, welches dem Zuschauer regelrecht veräppelt.

Fazit: Meg Ryan zeigt wahrlich alles. Vor allem, dass sie es mittlerweile nötig zu haben scheint, ihren Körper für solch pseudoemanzipierte Kinkerlitzchen-Erotikthriller herzugeben. „In the Cut" enttäuscht als Thriller, ist arm an Substanz und reich an erotischen und sonstigen optischen Schauwerten, kommt aber nie über eine infantile Lust am Ekel (Blut in rauen Mengen), am Verbotenen (vulgäre Kraftausdrücke) und Nacktheit hinaus. Dabei entwickelt der Film nie eine subversive Botschaft, wie man sie den ebenso vulgären und brutal-erotischen Filmen Paul Verhoevens zuweilen unterstellt. Schwach und langatmig, wenn auch über kurze Strecken durchaus unterhaltsam.         

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