An IN THE CUT scheiden sich tatsächlich die Geister. Zum einen ist es wirklich interessant Meg Ryan (wenn man sie überhaupt ausstehen kann) mal nicht in einer Komödie oder seichten Dramedy zu sehen und zudem gelingt ihr die Darstellung der unsicheren Frannie recht gut. Zum anderen hat der Film seine Längen und Schwächen in mehreren Beziehungen und Dialoge wie Drehbuch bleiben oft flach. Die Adaption des Buches „Aufschneider“ von Susanna Moore kommt allerdings an mehreren Stellen mit so vielen vermeintlich erotischen, aber vielmehr platt und chauvinistisch wirkenden sexuellen Anspielungen daher, dass Fremdschämen mehr als einmal angesagt ist.
Die im Film enthaltene wenige Sekunden dauernde explizite Fellatioszene ist wie schon von anderen bemerkt, absolut überflüssig und sollte wohl nur als Skandal-Element den Film pushen. Dennoch finde ich es eine mutige Hommage an den Europäischen Film der sich dies oder ähnliches ja schon x-mal getraut hat und somit ist es als US/Australischer Film erst einmal ein Wagnis und grundsätzlich zu befürworten. Meg Ryan ist dort gut wo sie die psychologische Zerrissenheit nach außen bringt. Peinlich wird es für mich, wenn sie versucht die erotische Komponente zu betonen oder in ihrer Begeisterung für Detective Malloy (Mark Rufallo), weil sie dabei so naiv wirkt wie ein Teenie.
Die oft stattfindenden Dialoge über „Blowjobs“ und sonstige sexuelle Anzüglichkeiten wirken deplaziert, aufgesetzt und selbstzweckhaft. Zudem ist der zitierte Detective mit seinem Pornobalken (Oberlippenbart) ungefähr so attraktiv wie eine Mischung aus Freddie Mercury (Queen) und Tom Selleck (Magnum). Also kein Schönling wie Depp oder Pitt oder ein Metrosexueller wie Beckham. Nein, ein echter old-school Lover mit massig Brust- und sonstiger Körperbehaarung. Die Geschmäcker sind halt verschieden, aber auch schon zum Zeitpunkt des Films war das Jahr 2003! Wir reden ja nicht von den 80ern!
Ich liebe gute Erotikfilme, aber IN THE CUT ist für meinen Geschmack in diesem Segment sehr holprig und verklemmt unterwegs. Die Ausstattung ist gut und hochwertig und man versucht durch einige Schrägheit ungefähr 10% David Lynch Charakter in den Film zu bringen. Erstaunlicherweise gibt der Film im letzten Viertel etwas Gas und der Zuschauer wird sehr geschickt bis zum bitteren Ende darüber im Unklaren gehalten wer der Serienkiller ist. Hier spielt IN THE CUT seine Stärke aus, lässt alles offen, führt uns auf falsche Fährten und kriegt wirklich noch die Kurve und gewinnt auf diesem letzten Stück für mich noch einen Punkt hinzu. Für Meg Ryan Fans und flexible Thriller/Drama Fans kann ich somit eine ganz zarte Empfehlung aussprechen.
5,5/10 Tattoos....äh,....Punkten