Review

Die späten 80er und frühen 90er wirkten als Eisbrecher für überteuerte Wichsvorlagen aus Hollywood. Damals erlebte das Genre des Erotikthrillers/dramas eine wahre Hochkonjunktur: Sharon Stone gab sich für "Basic Instinct" und "Sliver" hin, Kim Basinger entblätterte sich für "9 1/2 Wochen" und Madonna zeigte sich in "Body Of Evidence". Inzwischen wurde daraus klar ein Format fürs Fernsehen...mit einem Zuschaueraufsehen gegen Null. Dennoch verirrt sich immer noch ab und zu ein ähnlicher Streifen dieser Machart in unsere Kinos - neuester Versuch: "In the Cut" nach einer Romanvorlage von Susanna Moore. Und dieses Mal ist die bekannte und fast überall beliebte "Harry und Sally"-Darstellerin Meg Ryan dran, ihr Bestes zu geben...
Der Film verfolgt das Schicksal der New Yorker Literaturprofessorin Franny Thorstin (Meg Ryan), die in eine Mordserie verwickelt wird. Als nämlich eine Frau in ihrer Nachbarschaft stirbt, bezieht Detective Malloy sie in die Ermittlungen ein. Entmutigt von ihrer gegenwärtigen Lebenssituation und der Einsamkeit, gibt sich Franny dem Cop hin und beginnt eine Affäre mit ihm. Nach einiger Zeit beschleicht sie der Verdacht, dass Malloy etwas mit den Morden zu tun hat. Frannys Angst um ihr Leben steigt, dennoch kann sie sich nicht wirklich von ihm trennen. Sie begibt sich in Gefahr und versinkt in einem tödlichen Sumpf der Gewalt, aus dem es scheinbar keinen Ausweg gibt.
Das Geschehen ist - um es gleich zu verraten - ziemlich schleppend dargestellt. Der Film macht leider kein Geheimnis um seinen Ausgang und so sollte jeder Zuseher mit Durchschnitts-IQ bereits nach 15 Minuten den Mörder entlarvt haben. Wenn man nicht gerade intensiver Genrefan ist, muss man sich durch ein überlanges und zähes Werk quälen, bei dem einige Handlungssequenzen und Einstellungen einfach zu lang ausgefallen sind. Der anscheinend recht spannende Roman wurde folgemäßig nicht gerade überwältigend gekonnt ins Bildformat umgesetzt. Teilweise verrät der Streifen einfach zu viel, verliert sich in Klischees oder wirkt zu banal. Das versucht man dann alles mit der Hilfe von ordentlich viel Sex auszugleichen. Tatsächlich vermutet man im ersten Moment nicht, dass bei dem Film eine Frau auf dem Regiestuhl saß. Meg Ryan darf ordentlich viel nackte Haut zeigen ... Fans wird's sicher gefallen. Bei den Amis war der Film schon wieder ein halber Skandal: Herr Gott, man sieht 'nen Pimmel!
Die Dialoge sind größtenteils leider einfach zu platt und die Charaktere bleiben oberflächlich und verwaschen. Alleine bei Meg Ryans Rolle der Fanny macht man ansatzweise Versuche, die Psyche der Figur etwas zu untersuchen und herauszustellen. Die Darsteller sind insgesamt gesehen recht ordentlich, wenn auch etwas facettenlos - das liegt aber wohl eher am Drehbuch und an der Materie. Meg Ryan, Mark Ruffalo und Co. holen zugegebenermaßen das Beste raus.
Trotz all der Kritik: Wer sich dem Genre hingeben kann und einige Schwachstellen außer acht lässt, könnte sich mit dem versauten Voyeurthriller anfreunden. Die Atmosphäre ist perfekt gelungen. Ein spärlicher aber dennoch toller Soundtrack unterstützt die teilweise verstörende Bilderflut. Ein steht’s düsterer und geheimnisvoller, beinahe schon morbider Grundton zieht sich durch das Werk. Die Regiearbeit und die Cinematographie sind nahezu brillant. Ästhetische Einstellungen und Sequenzen findet man im ganzen Film hindurch, zum Teil verstärkt durch den intelligenten Einsatz von Handkameras. Das Farbenspiel des Films ist atemberaubend. Die trocken-schmutzigen Grundtöne von braun, grün, grau und schwarz sind in jeder Einstellung zu finden und wirken beklemmend und klaustrophobisch, aber geben dennoch ein perverses Gefühl von Sicherheit. Die Makeup-Effekte sind äußerst gut gelungen, besonders bei den blutigen Szenen, die ordentlich eklig wirken.
Schade, dass der Film so handlungsplatt und teilweise stumpfsinnig ist, denn technisch gesehen verbirgt sich hinter "In The Cut" ein beinahe schon brillantes Meisterwerk. Der Film ist objektiv gesehen ein durchschnittlicher, sexuell aufgemotzter und seichter Thriller auf TV-Niveau. Was aber den Streifen so interessant macht, ist seine cinematographische und technische Umsetzung. Regisseurin Jane Campion beweist Feingefühl für Farben und Kameraeinstellungen und schafft somit ein detailreiches Emotionsspiel. Für Filminteressierte, die Kinostreifen auch gerne unter dem technischen Aspekt beleuchten - oder für die, die sich mit Machwerken wie "Untreu" oder "Killing me Softly" anfreunden konnten...allen anderen sei dann doch abgeraten. Denn was insgesamt gesehen bleibt, ist ein Stück schmuddeliges Erwachsenenkino, primär unterhaltend für eingefleischte Meg Ryan Fans.

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