Im Jahr 1968 reist ein amerikanischer Student, gespielt von Michael Pitt, nach Paris und lernt dort ein französisches Geschwisterpaar kennen. Als die Eltern der beiden verreisen, zieht er in die Wohnung der beiden Cineasten, wo sich ein anfangs lustiges Ratespiel der drei schnell in ein gefährliches Spiel um Lust, Sex und Begierde verwandelt.
Frankreichs Beitrag zur sexuellen Befreiung zeigt vor allem große Mängel bei der höhepunktslosen Umsetzung, die mich beim Ansehen des Films am meisten gestört hat. Es gibt im Lauf des Films kaum Wendungen, nur ein fortwährendes Zuspitzen der Beziehung der Hauptpersonen. Damit ist der Film natürlich entsprechend monoton und zum Ende hin zunehmend langweiliger, was wirklich sehr bedauerlich ist, da die Story relativ viel Potential hatte. Darüber hinaus baut der Film leider keine richtige Atmosphäre auf und bleibt die ganze Zeit über undurchsichtig und für den Zuschauer sehr unnahbar, zumal sich beim besten Willen niemand mit den überaus skurrilen Inzest-Geschwistern identifizieren kann. Mit mehreren überaus provokanten und freizügigen Sex-Szenen wird versucht, die Lücken bei der Umsetzung zu füllen und damit die Laufzeit irgendwie zu überbrücken, aber auch diese totale Reizüberflutung, wird irgendwann eintönig. Vielleicht wollte mit den durchaus gewagten Szenen, die meiner Meinung nach niemals eine FSK ab 16 Freigabe rechtfertigen, auch nur einen medienwirksamen Skandal auslösen, aber auch dieser blieb aus. Nach "Der letzte Tango in Paris" und "Der letzte Kaiser" hätte ich der europäischen Regie-Legende Bernado Bertolucci wesentlich mehr zugetraut, denn außer der guten Fotografie von Paris ist der Film wirklich mäßig inszeniert.
Die Story veranschaulicht die neuen aufklärerischen Ideen und Ideale der 68er-Generation durchaus gut und zeigt die neue sexuelle Befreiung oder die weniger autoritäre Erziehung der damaligen Zeit und deren Auswirkungen gut dar. Auch wenn die 3 Hauptfiguren, besonders die beiden französischen Geschwister etwas zu stark überkonstruiert wurden und zu bizarr sind, um auch nur im Ansatz realistisch zu wirken, ist auch die Charakterkonstruktion solide, wobei vor allem die Veränderung der Hauptfigur, die schlagartig mit der neuen Denkweise konfrontiert wird, hervorragend und vielschichtig dargestellt wird. Darüber hinaus gibt es einige Ausschnitte aus diversen Klassikern zu sehen, da alle Hauptfiguren überaus interessierte Cineasten sind, wobei sich die Nostalgie glücklicherweise in Grenzen hält. Das Ende ist dann endlich einmal unvorhersehbar, aber nach dem überraschenden Finale wird man als Zuschauer mit dem Abspann allein gelassen. Hier hätte ich mir noch einen Schlusssatz oder Ähnliches erhofft. Alles in allem ist die Story relativ innovativ und vielschichtig.
Eva Green entblättert sich in ihrem ersten Leinwandauftritt gleich mehrfach und schaffte somit ihren skandalösen Durchbruch. Einmal mehr ist sie in einer zwielichtigen und undurchsichtigen Rolle zu sehen, mit der sie sichtlich gut zu Recht kommt, zumal sie später auch in "Königreich der Himmel" oder "Casino Royale" ähnliche Rollen spielte und meisterte. Einerseits ist ihr Mut bei diesen überaus freizügigen Szenen recht löblich, andererseits wird wohl trotzdem immer an ihr Haften bleiben, wie sie ihren Durchbruch schließlich geschafft hat. Michael Pitt, der neben "Dreamers" keine größeren Rollen in bekannteren Filmen zu verbuchen hat, spielt ebenfalls gut, wirkt aber die ganze Zeit über ein bisschen unberührt, beinahe grenzdebil, eine etwas intensivere Darstellung wäre vermutlich besser gewesen. Er zeigt sich, genau wie seine beiden Kollegen ebenfalls mehrfach nackt. Louis Garrel spielt die Rolle als Greens Zwillingsbruder solide, schaffte aber dennoch nie den Durchbruch.
Fazit:
Bei "Dreamers" spalten sich die Meinungen und ich weiß auch nicht so richtig, was ich von diesem Werk halten soll, das die ganze Zeit über auf dem schmalen Grat zwischen Meisterwerk und Schund wandelt. Mit einer vielschichtigen Story, einer, meiner Meinung nach langweiligen Umsetzung und überaus provokanten Sex-Szenen ist der Film definitiv nicht Jedermanns Sache. Ansonsten: Einfach mal ansehen und selbst ein Urteil bilden!
60%