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Falls sich jemand fragen sollte, was nach Weihnachten mit dem Nakatomi Plaza geschah: Es erhielt frische Fensterputzer und neue Terroristen. So zumindest fühlt sich die Regiearbeit von Martin Campbell an, der nach zwei Bond Filmen immerhin nicht gänzlich vergessen hat, wie Action funktioniert.

Schon seit früher Kindheit liebte Joey (Daisy Ridley) das Klettern auf schmalen Anhöhen, was ihr nun als Fensterputzerin an einem Londoner Hochhaus zugute kommt. Erst recht, als Öko-Terroristen die Gäste einer Gala als Geiseln nehmen…

Wie so oft sind die Grenzen zwischen Aktivisten und Terroristen im Umweltbereich fließend, weshalb es auch innerhalb der Fieslinge Differenzen gibt, die zu einem frühen Führungswechsel führen. Entsprechend macht ein Gentleman Boss (Clive Owen) Platz für einen jüngeren Psychopathen (Taz Skylar), der dem Ganzen eine unberechenbare Note beifügt. Derweil wundert man sich bei Heldin Joey, warum die nicht völlig unbeholfen mit Putzlappen nach den Wichten wirft. Denn eher beiläufig wird erwähnt, dass die junge Dame mal als Soldatin diente.

Ihr autistischer Bruder benötigt zwar viel gutes Zureden und einige Umarmungen, doch innerhalb der Bedrohung wird er zum schweren Klotz am Bein und stoppt zwischenzeitlich den Fluss, welcher sich etwa ab der Hälfte entwickelt. Erstaunlicherweise wird die Situation an der Außenfassade kaum genutzt, um spannende Momente zu generieren, obgleich die Kamera ab und an die entsprechende Höhe effektiv einfängt. Mehr Elan schwingt dem letzten Drittel mit, wo es zu einigen körperlichen Auseinandersetzungen kommt, die mit ordentlicher Dynamik gefilmt sind.

Überraschungen sind bei dem xten Klon von „Stirb Langsam“ nicht zu erwarten. Die Umweltkritik wird lediglich angedeutet, ansonsten wird etwas zu viel debattiert und mit der Polizeichefin Rücksprache gehalten, während die Ideen der Heldin nicht ansatzweise denen eines McClane entsprechen. Dennoch hält sie tapfer durch, provoziert und offenbart im finalen Akt ihre Skills, die abermals nicht allzu viel mit Klettern und Höhe zu tun haben.

Darstellerisch geht die Chose in Ordnung, inszenatorisch ist wenig anzukreiden, nur die Action leidet anfangs arg unter dem deutlich zu langen Vorgeplänkel. Jedoch auch der Humor, denn die zunächst eingestreuten Auflockerungen wirken genauso harmlos wie die Versuche, im Verlauf noch kleinere Überraschungen einzubinden. Actionfreunde können sich von der wenig inspirierenden Geschichte berieseln lassen, innovative Kniffe sollte man jedoch zu keinem Zeitpunkt erwarten.
Knapp
6 von 10



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