Review

Der Kult lebt...oder geht weiter...oder ist am Ende doch was ganz anderes als erwartet?

Zugegeben, Joe D´Amatos "Kult"-Streifen war jetzt kein flott inszeniertes Magnus Opus, hatte seinerzeit eben besagte Szenen, die heutzutage eher "Lächerlich" anmuten, zu ihrer glorreichen Sturm und Drangphase, wo jedes Video Nasty in der noch so schlechten und zigfachen VHS Kopie den Weg ins heimische Filmregal fand, aber durchaus funktionierten und den Kult irgendwie bis heute noch aufrecht erhalten.

Dario Germani dachte sich wohl selbiges und ließ 2022 dann das indirekte Sequel/Reboot auf die Fans los, die gemessen an D´Amatos Werk, gewisse Erwartungshaltungen schürten. Sonderlich viel (oder so gut wie nichts) erinnerte hier an den stämmigen George Eastman, der sich mit seiner Überpräsenz und stoischer Ruhe durch die Szenerie bewegte...stattdessen bekamen wir ein echtes "Hemd" serviert, der zudem mehr als belanglose "Three Finger" Kopie des Wrong Turn Franchises durchging als ernstzunehmender Menschenfresser. Zwar hatte diese Bunker Atmosphäre und die handwerklich doch recht soliden Kills etwas an Wiedergutmachungs-Punkten auf der Agenda, aber im Schnitt zu wenig um am nächsten Tag noch Gesprächsthema zu sein.

Anno 2025 steht dann das Sequel mit den Zusatz "Legacy" in den Startlöchern. Wieder nahm Dario Germani auf dem Regiestuhl platz und präsentiert uns 2025 seine weitere Interpretation des Man Eaters. Wer jetzt denkt, der Film geht in eine ähnliche Richtung wie der Vorgänger, der sieht sich (wie auch ich zunächst vermutete) getäuscht.

In den ersten 30 Minuten des Films wusste ich nicht, wie ich das bis dato präsentierte einordnen sollte, da weder irgend etwas zum Vorgänger bezogen wird, noch weiss man, was es zudem mit den ganzen Rückblenden auf sich hat, die in einer deutlich früheren Epoche spielen.

Aber nach gut 40 Minuten driftet der Film etwas ab und wirkt auf einmal schlüssiger und man ahnt, wohin die Reise gehen könnte. Positiv fällt auf, der Film bekommt eine gehörige Schlagseite in Richtung franz. Terrorkinos und hat mehr von einem sehr bedrohlichen Kammerspiel. Diese teils doch irgendwie unangenehme Atmosphäre verdanken wir in erster Linie Salvatore Li Causi, der hier echt eine gute Performance als "Ugo" mimt und sich mit Valentina Corti ein echtes Duell liefert. Es geht hier wirklich um das nackte "Überleben".......Überleben deshalb, weil auch nun die Rückblenden schlüssiger werden und sich auch in dieser Form an den damaligen Film "ÜBERLEBEN" einordnen und jetzt auch klar wird, wer "UGO" wirklich ist und in welcher Blutlinie Hanna (Valentina Corti) dazu steht.

Großer Unterschied zum Gewaltgrad gegenüber dem Vorgänger ist jener, dass er nicht nur etwas "zahmer" ausgefallen ist, sondern dass die Akte an den Personen erst dann stattfinden, wenn sie tot sind. Die Effekte sind handmade und können sich sehen lassen, stehen aber entgegen dem Vorgänger (der nur durch diese, seine Existenzberechtigung hat) nicht an vorderster Front. "Antropophagus Legacy" ist ein unterhaltsames Kammerspiel geworden. Mit ebenfalls limitierten Locations, die aber funktional gut eingebunden sind. Ebenso überzeugt der dieses mal passend eingesetzte Score und die doch mitunter solide Kamera.

Das werbetechnisch verwendete Gimmick "gedreht an den original Schauplätzen" mag stimmen, ist aber dann lediglich gen Ende präsent. Dies aber ist dann dennoch ein weiterer kleiner Pluspunkt, da es nochmals eine Wendung gibt, die man nicht erahnen konnte. Die alte Villa und das Katakombengewölbe geben dann beste Reminiszenzwerte ab, insbesondere in der letzten Einstellung, die sich in anderer Form an den Tod vom "Man Eater" orientiert...sehen und verstehen ;) 

Zuerst wusste ich nicht, soll ich den jetzt gut finden oder eher schon bei herausnehmen aus dem Player wieder vergessen. Ich bin immer ein Freund davon wenn man versucht, aus etwas bewährtem etwas eigenes zu kreieren und andere Wege geht, als man es wohlmöglich erwartet. Die besagten Protagonisten machen ihr Kammerspiel ordentlich, die dt. Synchro passt und Dario Germani geht hier bewusst andere Wege und öffnet ggfs. auf diese Weise eine Türe für weitere Geschichten, die es aus Griechenland zu erzählen gibt. 

Kurzum, nix für reine Gorehounds.....Fans von Kammerspielen, die sich langsam aber konstant zuziehen und Atmosphäre schaffen, die sollten mal einen Blick wagen. Daher durchaus ne Sache, die auch Leuten gefällt, die den Vorgänger nicht mochten. Anders, aber auch nicht schlecht. 

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