Blaumann, Blut und Brachialität
Das Kino liebt Archetypen. Den einsamen Cowboy, den Gangster mit Kodex, den gebrochenen Cop. Figuren, die größer sind als das Leben und dennoch verlässlich wie ein altes Uhrwerk. Jason Statham gehört längst in diese Galerie. Er ist schon lange kein Schauspieler im klassischen Sinne mehr, sondern eine Marke, ein feststehendes Genre, beinahe schon ein Versprechen: Wer Statham auf dem Plakat liest, weiß, was ihn erwartet.
Mit A Working Man knüpft der britische Actionstar nahtlos an dieses Versprechen an. Er liefert das, was er seit Jahren liefert: wortkarge Männlichkeit, physische Präsenz, trockenem Humor und Fäuste, die die Gesetze der Anatomie außer Kraft setzen. Der Film inszeniert Statham einmal mehr als Archetyp des modernen Arbeiters, als Mann des Volkes, als Proletarier mit geheimnisvoller Vergangenheit. Das Ergebnis ist ein solider, kerniger Actionfilm, der über weite Strecken genau das erfüllt, was er soll. Überraschungen bietet er wenige – und vielleicht ist genau das seine größte Stärke. Zugleich bleibt der Vergleich zum jüngsten Höhepunkt von Stathams Karriere unvermeidlich: The Beekeeper, ein Film, der nicht nur wie ein perfekt geölter Actionmotor lief, sondern auch mit cleveren Ideen und einem beinahe mythischen Unterton überraschte. A Working Man erreicht dieses Niveau nicht. Doch er muss es auch nicht. Er bleibt das, was er sein will: ehrliche Genrekost, präzise serviert, mit einem Hauch Sozialpathos und reichlich Schmackes in den Actionszenen.
Statham, der letzte Archetyp
Jason Statham ist ein Phänomen. Man wirft ihm oft vor, er spiele seit über 20 Jahren im Grunde dieselbe Rolle. Und ja, natürlich: Auch in A Working Man ist er wieder der wortkarge, harte Kerl mit trockenem Humor, eiserner Moral und Fäusten wie Presslufthämmer. Aber man darf nicht vergessen: Er IST dieser Typ. Niemand verkörpert diese Mischung aus britischem Understatement, athletischer Körperlichkeit und lakonischer Coolness so glaubwürdig wie er.
In A Working Man schlüpft er in die Rolle von Jack Mason, einem einfachen Fabrikarbeiter in einer Kleinstadt, dessen Alltag aus Maschinenlärm, Schweiß und kantigen Kollegensprüchen besteht. Doch natürlich ist er nicht einfach nur ein Mann im Blaumann: Seine Vergangenheit als Special-Forces-Soldat, Geheimagent oder sonstwie tödlich trainierter Profi – der Film hält sich angenehm vage – bricht hervor, als eine kriminelle Organisation seine Fabrik und die Menschen darin bedroht. Statham verkörpert diesen Charakter mit der Routine eines Handwerkers, der seinen Job seit Jahrzehnten macht und jedes Werkzeug im Schlaf beherrscht. Da ist kein Überraschungsmoment mehr, keine neue Nuance. Und doch: Diese Routine ist es, die fasziniert. Er spielt diese Rollen nicht, er ist sie. Mit jeder Geste, mit jeder minimalen Regung im Gesicht, mit jedem lakonischen Halbsatz verkörpert er eine Männlichkeitsfigur, die in Hollywood längst aus der Mode geraten scheint – und genau deshalb so beständig funktioniert. Wer ins Kino geht, um eine neue Facette des Schauspielers zu entdecken, wird enttäuscht. Wer aber genau diesen Archetypen sehen will, der bekommt ihn in purer Form.
Die Handlung ist so klassisch wie ein altes Arbeiterlied: Eine Fabrik, ein Kollektiv von einfachen Menschen, eine Bedrohung von außen – und mittendrin der Mann, der aufsteht, wenn andere wegschauen. Jack Mason und seine Kollegen werden von einer kriminellen Organisation bedrängt, die ihre Fabrik unter ihre Kontrolle bringen will. Profitgier trifft auf Arbeiterstolz. Aus dieser einfachen Konstellation entspinnt sich ein Reigen aus Erpressung, Gewalt und Aufstand, an dessen Ende – wenig überraschend – Mason zur Waffe greift, um seine Gemeinschaft zu verteidigen.
Das Drehbuch folgt klassischen Genreformeln: das Establishing des Alltags, die leise Andeutung der Vergangenheit, die Eskalation durch äußere Gewalt, der persönliche Verlust, die finale Abrechnung. Überraschungen sind rar. Doch es setzt einen interessanten Akzent: Es feiert die Würde der Arbeit. Wo andere Filme das Büro, den Superheldenanzug oder die Hightech-Welt in den Mittelpunkt stellen, rückt A Working Man die Fabrik in den Fokus. Der Blaumann wird zur Uniform, die Werkbank zum Schlachtfeld. Hier geht es nicht um Weltrettung, sondern um Solidarität unter Arbeitern, um Stolz auf körperliche Arbeit, um die Würde jener, die sonst im Kino selten die Hauptrolle bekommen. Natürlich darf man diese Ebene nicht überschätzen: Der Film streift seine Sozialkritik eher als dass er sie vertieft. Aber sie ist da, und sie verleiht dem Geschehen zumindest einen Hauch von gesellschaftlicher Resonanz. Zwischen Schlägereien und Schweißperlen klingt manchmal fast ein leiser Sozialrealismus durch.
Arbeiterpathos im Actiongewand
Sozialkritische Zwischentöne hin oder her: Ein Statham-Film steht und fällt mit der Action. Und hier zeigt A Working Man seine Muskeln. Die Atmosphäre ist zunächst erstaunlich bodenständig. Die Kamera verliert sich in langen Einstellungen von Maschinenparks, von Schweißfunken, von dampfenden Rohren. Das ist nicht die glitzernde Welt des Blockbuster-Kinos, sondern die rauhe Realität industrieller Arbeit. Man meint, den Ölgeruch in den Kinosessel mitzunehmen.
Dann, wenn die Gewalt explodiert, wirkt sie umso brachialer. Statham prügelt sich durch enge Fabrikflure, springt über Förderbänder, schmettert Gegner mit Schraubenschlüsseln und Schweißbrennern zu Boden. Die Action ist roh, physisch, direkt. Keine CGI-Feuerwerke, keine Superheldenakrobatik, sondern Faust auf Kiefer, Werkzeug auf Schädel. Besonders eindrucksvoll ist eine Sequenz in der Fabrikhalle selbst: Mason allein gegen eine Übermacht von Söldnern, die zwischen Funken sprühenden Maschinen und Fließbändern auf ihn losgehen. Hier entfaltet sich das volle Repertoire: Faustschläge, Würfe, der Einsatz von Werkzeugen als improvisierte Waffen, schnelle Bewegungen durch enge Gänge. Das Ergebnis ist intensiv, roh, fast schmerzhaft real. Und trotzdem: So mitreißend die Action ist, sie erreicht nicht ganz den ikonischen Punch von The Beekeeper. Dort schien jede Kampfszene ein choreografisches Gedicht aus Gewalt und Eleganz, fast schon eine Parodie auf das Genre, und gerade deshalb so stark. Hier bleibt alles geerdet, manchmal fast spröde. A Working Man ist weniger Ballett, mehr Boxring.
Regisseur David Ayer inszeniert A Working Man mit klarer Linie. Er weiß, was er an Statham hat, und setzt ihn entsprechend in Szene: viele Close-ups auf das stoische Gesicht, Kamerafahrten, die seine Physis betonen, und Einstellungen, die die Härte seiner Kämpfe spürbar machen. Die Inszenierung ist handwerklich sauber, mit einem guten Gespür für Rhythmus. Der Film gönnt sich ruhige Momente, in denen der Alltag der Arbeiter gezeigt wird, bevor er wieder ins Adrenalin schaltet. Gerade dieser Wechsel verleiht A Working Man eine gewisse Dynamik, die über reine Schlägereien hinausgeht. Optisch bleibt der Film im Rahmen. Die Farbpalette ist kühl, geprägt von Stahl, Beton und Neonlicht. Manchmal wirkt das etwas austauschbar, aber es passt zur Geschichte des Fabrikarbeiters. Stilistisch wagt A Working Man keine Experimente – er bleibt innerhalb sicherer Bahnen.
Fazit
Am Ende ist A Working Man das, was er von Anfang an verspricht: ein Statham-Film in Reinform. Keine Überraschungen, keine großen Innovationen, keine stilistischen Experimente. Dafür solide Action, ein bisschen Pathos, ein Star, der längst selbst zum Mythos geworden ist. Im direkten Vergleich mit The Beekeeper fällt er ab – zu stark war dort die Mischung aus Ironie, Selbstüberhöhung und perfekter Choreografie. A Working Man bleibt geerdeter, weniger brillant, aber auch ehrlicher.
Er ist ein Film für all jene, die Statham genau so sehen wollen, wie er ist: als Mann, der aus jedem Schraubenschlüssel eine Waffe macht, aus jeder stillen Geste eine Drohung, aus jeder Faust einen Schlussstrich. Es mag nicht der neue Höhepunkt in Stathams Karriere sein, aber es ist ein weiteres starkes Kapitel in einer Filmografie, die längst zur Legende geworden ist. Und manchmal, da reicht genau das.