Weder frisch noch Fleisch
"Cannibal Mukbang" handelt von einem etwas nerdigen Amateurfilmkritiker und Kundenhotlinemitarbeiter, der eine sehr "interessante" Dame kennenlernt, die über sogenannte Mukbangs im Internet nicht nur ihren Magen sondern auch ihr Bankkonto füllt. Doch schnell muss er feststellen, dass der hungrige Rotschopf manchmal nach mehr verlangt als nur Bacon und Cannelloni...
Fetischs & Fleischeslust
Ehrlich gesagt wusste ich vorher nicht, was ein "Mukbang" ist. Ich liebe essen, ich mag es zu kochen - aber anderen ganz genau beim Essen, Schmatzen, Schlemmen und ihrer Völlerei zuzugucken gehört ganz sicher nicht zu meinen Vorlieben und Turn-Ons. Aber auf zu neuen Genreufern sage ich da nur - solche blinden Flecken kann ein Indie-Genrefilm ja auch zu seinen Ekelgunsten nutzen. Erst recht wenn er diese dann comichaft übertreibt und logisch, wenig überraschend in's kannibalistische Subgenre ausweitet. Nur leider schafft "Cannibal Mukbang" diese Nische nur sehr sporadisch für sich zu nutzen. Ich mag die frischen Gesichter, die knalligen Farben, ein paar Ekelmomente, den freaky-düsteren Humor und auch die beiden Hauptfiguren haben ein paar quirlig-nerdige, trotzdem glaubhafte Charaktereigenschaften. Ebenso werden einige Phänomene und Hypes der "Gen YouTube" (recht simpel) eingebaut und wortwörtlich verwurstet. Vielleicht reicht das insgesamt ja für ein geschmacklich (positiv) verrohtes und verwirrtes First Date unter Horrorfans. Für wirkliche Begeisterung, tiefergehenden Ekel, berührte Tabus oder gar bleibende gesellschaftskritische Blickwinkel reicht's dann aber nicht. Recht deutlich sogar. Vielleicht fehlen dafür etwas Raffinesse, die passenden Gewürze, vielleicht war dafür die ein oder andere Idee nicht lang genug im Ofen. Wahrscheinlich ist er auch einfach deutlich zu lang für sein Konzept. Aber in Ordnung ist das für seine Mittel schon. Als genretechnischen Hauptgang würde ich's aber nicht bezeichnen. Weder für alte Hasen noch die Gen Z (für die Regisseurin Aimee Kuge eh ein paar Jahre zu alt ist).
Gen Z-Grindhouse-Ganache
Fazit: vielleicht hält sich "Cannibal Mukbang" manchmal für cooler und ekliger, cleverer und kreativer, hübscher und horrender als er eigentlich ist. Er versucht sich an einer Art Hipster-Kombo aus Deodato und Fennell... und fällt dabei zumindest nicht komplett auf die Fresse. Immerhin. Aber so richtig spicy, süß, saftig und sättigend ist das auch nie... Für den hohlen Zahn, in mehrfacher Hinsicht?