Auf den ersten Blick scheint es keinen Grund zu geben, eine bereits seit 2019 bestehende Dokumentation als Spielfilm neu aufzulegen. Schließlich kommen die Emotionen der Beteiligten ungeschönt rüber. Doch genau das reichte Regisseur Alex Parkinson offenbar nicht, weshalb er sein Unterwasserdrama mit einer verlässlichen Riege ausstattete.
Eigentlich sollte die Tharos einen Routineauftrag in der Nordsee übernehmen, um Pipelines zu reparieren. Doch als sich die Taucher Chris (Finn Cole) und Dave (Simu Liu) bereits 90 Meter in der Tiefe befinden, während Duncan (Woody Harrelson) in der Glocke ausharrt, gerät das Schiff in Turbulenzen und Chris wird von der Versorgungsleine getrennt. Sein Notsauerstoff reicht für etwa zehn Minuten…
Es ist eine extreme Horrorvorstellung: Allein in der Nordsee treibend, orientierungslos im nahezu Dunkeln, gerade mal zwei Grad über Null und dann geht auch noch der Sauerstoff zur Neige. Kein Wunder, dass der Job des Berufstauchers zu den gefährlichsten der Welt zählt und man diesbezüglich nicht ansatzweise unter Klaustrophobie leiden sollte.
Parkinson kommt mit seiner Erzählung relativ rasch auf den Punkt und reichert diese nur soweit mit Figurenhintergründen an, dass ein späteres Mitfiebern gewährleistet wird. So erhält Chris eine bangende Verlobte, Dave das Attribut des coolen Einzelgängers, während Duncan als erfahrener Mentor, der bald aufs berufliche Abstellgleis verfrachtet werden soll, immer mal wieder ein paar zynische Sätze von sich gibt.
Den Kern der Geschichte bildet natürlich die Rettungsaktion, welche sich nach Echtzeit anfühlt. Man mag sich ausmalen, wie wenig Zeit bleibt, einerseits das Schiff bei Sturm noch halbwegs effektiv zu manövrieren, während ein ferngesteuerter Roboter eventuell hilfreich sein könnte. Die Unterwasseraufnahmen sind durchaus beeindruckend, der Schnitt arbeitet hervorragend, doch der teils atmosphärische Score ist zuweilen etwas zu dominant und kitzelt vor allem im letzten Drittel etwas zu sehr an der emotionalen Basis. Wobei: Egal wie die Rettungsaktion ausgeht, dürfte diese niemanden kalt lassen.
Dies ist in erster Linie den versierten Mimen um Harrelson zu verdanken, denn obgleich diese nicht übermäßig viel zu tun haben, reicht deren Präsenz fast schon aus, um entsprechende Stimmungen zu transportieren. Zumal das Gewusel unter Wasser angenehm schnörkellos und auf den Punkt abgewickelt wird und es gelungene Wechsel zwischen Außenaufnahmen des Schiffes im Sturm, der Kommandozentrale und dem Treiben unter Wasser gibt.
Das nur rund 93 Minuten anhaltende Treiben liefert einen nach wahren Begebenheiten aufgearbeiteten Unterwasser-Thriller, der durchaus spannende Momente beinhaltet und beim Wettlauf gegen die Zeit mit dem Timing überzeugt. Wer nicht allzu klaustrophobisch veranlagt ist, kann bedenkenlos einen Blick in die Tiefe riskieren.
7 von 10