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From Blues Till… (I Take Your) Soul!

Ryan Coogler ist zusammen mit Jordan Peele sicher momentan die bedeutendste schwarze Regie- und Produktionsstimme in der Traumfabrik. Und während Peele von Anfang an dem Genre frönte und dort zurecht Wellen schlug, liefert Coogler mit „Sinners“ nun seinen ersten echten „Genrereisser“ (wenn man Marvel jetzt mal als genrenahen Giganten im Business ausklammert), in dem er die kriminellen Zwillingsbrüder und Kriegsveteranen Smoke und Stack in den amerikanischen 30ern aus Chicago in ihre ländliche Heimat zurückkehren und einen Südstaatenclub aufmachen lässt, dessen Eröffnungsnacht blutiger und bissiger wird als vorher erwartet… 

Echter Hüttenzauber

Ich hätte nicht gedacht, dass Ryan Coogler dermaßen Horrorfan ist. Aber wie! Wie geil ist das denn?! „Sinners“ sprüht nur so vor Carpenter und Romero, vor „Lost Boys“ und „Near Dark“. Einfach toll. Und er macht diese Zitate nicht irgendwie oder plump oder unüberlegt. Alles on point! Und trotz dieser düster-legendären „Familienlinien“ lässt er „Sinners“ seine eigene DNA nie verlieren. Voller schwarzer Seele und Musik, voller Mut und Wut, voller Intimität, Erotik, Nervenkitzel, Style und Epik gleichermaßen. Dass das „Thema“ schon im zweiten Trailer und gesamten folgenden Marketing offengelegt und benutzt wurde, finde ich etwas schade. Wäre schon nochmal ein Extrapunkt gewesen überrascht zu werden. Aber so ist das nun mal heutzutage. Nimmt „Sinners“ nichts von seiner Energie, seinem Impact, seiner Spannung und seiner Klasse. Er fühlt sich an wie ein direkter Klassiker. Schwitzig, hitzig, intensiv und porentief fesselnd. Das Kino war vollkommen konzentriert und fasziniert. Heutzutage eine Besonderheit. „Sinners“ funktioniert rundum. In vielen seiner besten Momente inspirierend gut. Inklusive einer monumentalen Szene („Black Music durch die Zeit“) für die Ewigkeit. Creepy Monsterdesign. Fettes Sounddesign (Göransson!). Viel Gänsehaut und Überraschungsmomente (trotz spoilerigem Marketing!). Maximale Chemie im Cast. Was will man mehr?! Wenn ich meckern muss, dann dass sich die letzte Konfrontation etwas gehetzt anfühlt und besser choreografiert hätte sein können. Da ist’s actionmässig dann sicher kein „From Dusk Till Dawn“. Aber das sind wenn überhaupt Haare die sich auflösen in einer der leckersten Fünf-Sterne-Genresuppen seit langer Zeit. Aufgewärmt ist hier gar nichts. Ikonisch sehr, sehr viel. „Sinners“ ist der heisse Scheiss. Nahezu ohne Einschränkungen. Bitte mehr in dem Gebiet, Herr Coogler! 

Echte Kinomagie

Fazit: Coogler, Jordan, Steinfeld, das Musikteam, Kameramann Arkapaw… alle liefern in „Sinners“ beeindruckend ab. Manche doppelt, dreifach und mit köstlichstem Biss! Schon jetzt ist klar: Einer der absoluten Toptitel an die man denken wird, wenn's in Zukunft „Kinojahr 2025“ heißt. „Sinners“ ist ein großer und teils genialer Genregourmethappen. Genauso Grindhouse wie Arthouse, genauso Blockbuster wie Passionsprojekt. Eklatant empfehlenswert. Da sabbern nicht nur die Nachtschwärmer… 

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