Review

Don‘t let the white one in

Man stelle sich FROM DUSK TILL DAWN mit einem nahezu komplett schwarzen Cast vor. In der ersten Hälfte des Films begleiten wir statt eines Gangster-Bruderpaares auf der Flucht ein Gangster-Bruderpaar bei der Eröffnung ihrer Blueskneipe, vom Kauf der Location bis zum Casting von Musikern und Türsteher. In der zweiten Hälfte des Films versuchen dann ein paar weiße Vampire in den Club einzudringen, in dem gerade die Eröffnungssause steigt. 

Auch wenn die Struktur erklärtermaßen an Tarantinos und Rodriguez‘ modernen Action-Vampirfilmklassiker angelehnt ist, liegt Autor und Regisseur Ryan Coogler (FRUITVALE STATION, CREED, BLACK PANTHER) nichts an einem eskapistischen, coolen, pulpigen und ultrabrutalen Horrorspaß. SINNERS ist vor allem eine rassenpolitische Geschichte und ächzt schwer unter seinem aufgebürdeten Symbolismus. 

Die weißen Immigranten mit ihren nichtssagenden Folksongs wollen den Schwarzen ihren authentisch schwermütigen und emotionalen Blues wegnehmen, der „Juke Joint“ ist von Anfang an ein Schlachthaus, der Klan steckt überall, hier muss jede Menge Historie auf- und abgeaebeitet werden. 

Zudem ist nicht die Vampirbedrohung, sondern die Musik Dreh- und Angelpunkt des Films. Coogler betont das in einer überraschenden Szene, als sich zu Bluesgitarrist Sammie plötzlich ein E-Gitarrist und ein DJ sowie ein trommelnder Afrikaner gesellen und die Brücke zu Vergangenheit und Zukunft geschlagen wird – eine Geisterbeschwörung. Wenn die Weißen vor der Scheune ihren Ringelreihen zu einem irischen Folksong tanzen und dabei ihre schwarzen Opfer bereits „eingemeinden“, wirkt das allerdings eher peinlich – Dance-off statt Stand-off. 

Man kann sich weder wirklich gruseln noch hat man so richtig Spaß an SINNERS, der Film ist eine (Irish) bierernste Angelegenheit und der Horror mit der Handbremse inszeniert. Dass der Film in den USA so durch die Decke ging, ist aufgrund der Zielgruppe nachvollziehbar, Genrefans, die neben einer politischen Botschaft und traditioneller „Black Music“ auch noch einen saftigen Vampirfilm erwarten, werden eher den Blues bekommen.

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