kurz angerissen
Es stottert ein wenig im Anlauf. Trotz des eleganten Produktionsdesigns verhält sich der erste Akt wie die Handkurbel eines bockigen Oldtimers und besteht auf die Idylle des Stillstands, während sie die Bewegung ablehnt. Ryan Coogler möchte offensichtlich jene Art Film drehen, die sich als etwas tarnt, das sie nicht ist, um in einem radikalen Schlussakkord die Katze aus dem Sack zu lassen. Das gelingt ihm nicht ganz mit der gleichen Stilsicherheit, die Rodriguez und Tarantino im offensichtlichen Vergleichsobjekt „From Dusk Till Dawn“ an den Tag legten.
Wenn der Motor aber einmal läuft, dann läuft er so richtig. Coogler lässt in der Abenddämmerung die Pupillen funkeln, mit einer Maske der Freundlichkeit den Horror walten. Der selbst beschworene Rassismus wird mit einer furiosen Tanzsequenz gekontert, die Dekaden afroamerikanischer Kultur miteinander verschmolzen. Der Spieß ist gedreht; nun ist es der Stillstand, der nicht willkommen ist. Dem Zuschauer soll es recht sein, er wird Zeuge eines gewaltigen Infernos, mit gewissen Anklängen an die HBO-Serie „Lovecraft Country“ und auch an das diesjährige Serien-Event „IT – Welcome to Derry“.
Michael B. Jordan reibt sich derweil in einer Doppelrolle auf, die die innere Zerrissenheit des Films und des Regisseurs auf den Punkt bringt. Die vollständige Kontrolle über das Genre-Handwerk gilt es noch zu erlernen, aber das dazu nötige Feuer lodert in ihm.
(7.5/10)