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„Sinners“ ist so ein Film, über den man im Vorfeld wenig wissen sollte, um sich die Überraschung der (Genre-)Wendung zu bewahren. Obwohl das Marketing und insbesondere mindestens einer der Trailer damit hausieren geht. Ich setze das Wissen daher mal voraus und so fliegen die Vergleiche mit anderen Werken wie „From Dusk till Dawn“ (1996) schnell durch den Raum. Und weist er zu diesem auch einige Parallelen auf, so setzt der von Ryan Coogler geschriebene und inszenierte Film andere Schwerpunkte. 

Man folgt den Zwillingen Smoke und Stack, die 1932 in ihre alte Heimat zurückkehren und einen Neuanfang nach ihrer Zeit in Chicago versuchen. In einer alten Scheune etabliert man Musik und Alkohol, dazu gesellen sich aber bald auch ungebetene Gäste. Und so ist das hier nicht nur das Abgleiten in eine Variation der Vampirthematik, sondern auch eine Betrachtung des afroamerikanischen Lebens in den USA zur genannten Zeit. Dies aber nicht plakativ, sondern fließend durch den Fortgang der Erzählung. Coogler mischt hier Kultur, kulturelles Erbe und die Aneignung mit Elementen aus Drama, Spiritualität, Western und Horror. Der Mix ist durchaus interessant, bremst sich aber immer wieder mal etwas aus. So entwickelt „Sinners“ nicht den Zug, der ihm innewohnt. Das gilt insbesondere für das Finale, wenn er sich in der zweiten Hälfte dem Vampirfilm annähert. Es ist schön, dass sich ein modernes Werk an altmodische Regeln hält, Vergleiche zum eingangs genannten Vorbild bleiben da aber meist auf dem Papier, denn das Inszenieren von Horror und Action gehört nicht zu Cooglers Stärke. 

Darstellerisch ist „Sinners“ durchaus ansprechend und es ist positiv anzuerkennen, dass man Michael B. Jordans Doppelbesetzung schnell vergisst und einfach ein Geschwisterpaar sieht. In Nebenrollen überzeugen Wunmi Mosaku und Miles Caton als Sammie, der als Sympathieträger herhalten muss. 
Musik spielt eine zentrale Rolle und hier insbesondere der Blues, wie er auch passend dargeboten wird. In Erinnerung bleibt hier eine lange Sequenz mit gemischten Stilen und Zeiten, letztlich der Höhepunkt des Streifens und klanglich sehr viel gelungener als das, was man im Abspann kredenzt bekommt. Dieser bietet ebenso noch Szenen mittendrin und danach, Coogler scheint hier von seiner Arbeit für das MCU nachhaltig geschädigt zu sein. Die Sequenzen hätte man auch in das Ende des Films integrieren können. Die Bildkomposition ist gelungen, die Präsentation mir aber oft zu dunkel mitsamt der Farbgebung in ihren gelb-braun-Tönen. Das ist auf die Dauer wenig aufregend wie auch das drölfzigste Feld aus dem Rechner. Dennoch sieht „Sinners“ nicht schlecht aus, gerade die Ausstattung der Sets sticht positiv heraus und wirkt angenehm lebendig. 

„There's some weird shit goin' on out here.“

Stark als Historien- und Musikfilm, ausbaufähig im Hinblick auf den Horroraspekt und das Zeitmanagement. 

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