Review

Es gibt mal wieder eine Diskrepanz zwischen Kritikern und Zuschauern bezüglich eines Films, nur dass sich die sonst üblichen Vorzeichen in diesem Fall umgekehrt haben – die Presse gab „Torque – hart am Limit“ vornehmlich mäßige Kritiken, während der Film beispielsweise bei der angesehenen „Imdb.com“ gar tief in den „bottom 100“ zu finden ist (wo meiner Meinung nach jedoch ganz andere Machwerke hingehören). Die Platzierung bei „Ofdb.de“ wird sich wohl erst mit der Zeit zeigen ...

Ich will mich an dieser Stelle auch nicht zu sehr für „Torque“ in den Ring werfen, doch viele Kritiker haben den Film anscheinend objektiv für das bewertet, was er wirklich nur sein will: Mindless fun – nothing more, nothing less.

„Torque“ (= Drehmoment) unter seriösen Gesichtspunkten betrachten zu wollen, ist gleich von der Anfangssequenz an zum scheitern verurteilt: Der gesamte Film ist völlig überzogen und unglaubwürdig inszeniert worden, die Schauspieler bilden eine recht homogene talentfreie Zone, und die Story „banal“ zu nennen, wäre schon geschmeichelt (sie ist quasi non-existent und besteht, wenn, dann eigentlich nur aus Klischees) ... hier trotzdem eine grobe Inhaltsangabe:

Nach 6 Monaten in Thailand kehrt Cary (Martin Henderson aus „the Ring“) wieder nach L.A. zurück, da er seine Freundin (Monet Mazur, „Stark Raving Mad“) einfach nicht vergessen konnte, seit er damals fliehen musste, weil man ihm Drogen untergeschoben hatte.
Natürlich gerät er nach wenigen Stunden gleich wieder in Schwierigkeiten, denn die Besitzer der Drogen (Biker, Rocker-Stile) wollen diese von ihm zurück, und zudem gibt es da noch die afroamerikanische Biker-Gang um Carys Erzfeind Trey (gespielt von Ice „3 Kings“ Cube) sowie 2 „F.B.I.“-Agenten (die wohl unglaubwürdigsten der Filmgeschichte), die alle noch offene Rechnungen mit ihm haben.
Als dann auch noch Treys Bruder von den Dealern ermordet wird, schieben die das Cary in die Schuhe, so dass dieser und seine Freunde zuerst den Rückzug vor allen Verfolgern, dann aber die Flucht nach vorne antreten muss...

Okay, hört sich also wie eine Kreuzung aus „the Fast and the Furious“ und „Biker Boyz“ an, doch was „Torque“ von jenen Streifen grundlegend unterscheidet, ist dass die Macher von Beginn an (hoffentlich bewusst) auf Realitätsnähe und große Ernsthaftigkeit verzichteten, so dass das fertige Produkt derart „over the top“ ist, dass die Versuchung eines ernsthaften Herangehens unter seriösen Aspekten gar nicht erst aufkommt:
Ein Großteil der (Biker-) Actionsequenzen sind computeranimiert und wirken in der Machart wie ein reines PC-Spiel (beim Showdown leider viel zu extrem). Die Ideen sind abstrus und krude (wie eine Verfolgungsjagd mit Motorrädern in und auf (!) einem fahrenden Zug oder dem Bike mit eingebauter Turbine am Ende), die Gesetze der Physik und Logik sind vollkommen außer Kraft gesetzt (wie beim Duell der zwei Mädels auf ihren Maschinen, bei dem sie sich bei voller Fahrt mit Messern und Fäusten bekämpfen ... trotzdem ein spaßiges Highlight!).

Glaubwürdigkeit, Realitätsnähe, Ernsthaftigkeit oder gar Anspruch findet man in „Torque“ nicht ... man sucht diese Faktoren in einem Film wie diesem auch irgendwie gar nicht, zumal Joseph Kahn hier zum ersten Mal bei einem Feature Regie führte – zuvor drehte er Videoclips, z.B. die von Eminem (die Optik und den übertrieben Stil hat er beibehalten)...

Ich habe jetzt viel Text verbraucht, um eigentlich negative Punkte aufzuführen – warum also 81 Minuten seines Lebens investieren?
Ich liebe die Filme von Lynch, Cronenberg oder Ferrara – doch ab und an muss es auch mal Kontrastprogramm sein, und dazu taugt ein derartiger „no-brainer“ hervorragend, zumal „Torque“ wenigstens ein optischer Leckerbissen ist:
Abgedrehte Perspektiven und Kamerafahrten, Videoclip-Optik (Filter und Editing), passende hämmernde Musikuntermalung (von Kid Rock, über Monster Magnet, bis zu Static-X), Darsteller wie aus einem Hochglanzprospekt, fahrbare Untersätze, die die meisten Männer faszinieren (z.B die Bikes, einem Hummer oder gar ein Stock-Car-Rennwagen), sinnlose „T&A“-Shots und so weiter und so fort...

Außerdem gibt es fast durchgehend Actionszenen irgendeiner Art (Faustkämpfe, Verfolgungsjagden, Schießereien, Stunts, Explosionen...), und auch wenn diese sinnlos und überzogen sind, sind sie extrem rasant und schnittig in Szene gesetzt worden.

Ich muss an dieser Stelle auch einfach noch Jaime Pressly („Pinata“ / „Ticker“) erwähnen, die mit ihrer Biker-Bitch-Rolle einen absoluten (vornehmlich optischen) Glanzpunkt setzt!


Fazit: „Torque“ ist ein lauter, sinnfreier, überzogener, aber rasanter und optisch ansprechender Biker-Action-Streifen, der, mit der richtigen Einstellung angegangen und im passenden Umfeld konsumiert (ein feucht-fröhlicher Videoabend unter Freunden mit Drinks und Chips wäre ideal) wenigstens amüsante, trashige Kurzweil bietet ... 5 von 10.

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