Blindpoverty Eport
"Mercy" wurde eventuell ein wenig vorschnell auf der Januarkinomüllhalde abgeladen, trotz seiner zwei beliebten Stars - und mich hat er nun als flotte und etwas trashig-altmodische Mixtur aus Desktopthriller, Gerichtsdrama und Sci-Fi-Mumbojumbo im Heimkino erstaunlich kurzweilig und gut unterhalten. Auf einem klipp und klar dümmlich-dusseligen Level vergangener Videothekenzeiten, könnte man sagen... Wenn ein ahnungsloser Polizeibeamter in einer K.I.-gesteuerten Zukunft selbst auf der (größtenteils digitalen und kurz angebundenen) Anklagebank landet und seine Unschuld selbst beweisen muss, wenn er seine Frau ermordet haben soll...
Wer den Plastikball stört
"Mercy" vermischt aktuell arg akute Gedanken zu K.I., Gesellschaft und Kriminalität - und zeigt einmal mehr, wie weit Spielberg mit seinem von mir zitierten Tom Cruise-Vehikel vor über zwanzig Jahren seiner Zeit bereits voraus war. Fergusen und Pratt können solch ein Zwei-Personen-Stück ganz gut tragen. Sie geben sich kaum dem bei einem solchen B-Projekt verführerischen Autopiloten hin. Die digitalen Effekte und Techniken und Schichten scheinen sauber. Es gibt immer etwas zu lesen, zu gucken, zu lachen, zu rätseln. Alles auf einem sehr instinktiven und stupiden Niveau. Aber es gibt kaum Zeit darüber nachzudenken. "Mercy" hat ein brachiales Tempo und das ist auch sein größtes Ass im Ärmel. Er lässt sich seine Plattitüden und Logiklöcher und Dummheiten nicht anmerken und zieht einfach sein Ding weiter durch. Er lässt sich nicht verunsichern, er bleibt seiner fettlosen Linie treu. Und er ist entweder 20 Jahre eben als "Minority Report"-Kopie für den Heimkinomarkt zu spät oder 20 Jahre zu früh, wenn solche Dinger wahrscheinlich (und leider!) komplett von der K.I. gebaut werden können, von oben bis unten. "Mercy" könnte ein dumm-dreister Blick in die Zukunft sein. Oder eben ein ungefährlicher Throwback in simplere Zeiten.
Eine Frage der Leere
Fazit: Aufgeblasener Videothekenstoff aus der K.I.-Zukunft... Oder der DVD-Vergangenheit... Nicht ohne Reiz, nicht ohne Quatsch, nicht ohne Unterhaltungswert. Selbst wenn man eher über diesen Kram lacht als mit ihm. Für kurze Aufmerksamkeitsspannen und beschränkte Horizonte. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich war nicht bei der Sache oder gar gelangweilt...