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Um die Verbrechensrate im L.A. der Zukunft zu senken, wird das "Mercy"-Programm initialisiert, bei dem Tatverdächtige während ihrer Verhandlung im Schnellverfahren eigenständig ihre Unschuld beweisen müssen... und sollte das nicht gelingen, wird im Anschluss bei besonders schweren Vergehen auch stante pede die Todesstrafe vollstreckt. Der Cop Chris Raven staunt nun nicht schlecht, als er nach einem alkoholbedingten Blackout vor der K.I.-Richterin Maddox wieder zu Bewusstsein kommt und diese ihm mitteilt, dass er verdächtigt wird, seine Ehefrau Nicole ermordet zu haben. Chris muss nun ganz schön rudern, denn ihm bleiben nur 90 Minuten, um genügend Indizien zusammenzutragen, die berechtigte Zweifel an seiner Schuld aufkommen lassen... und nicht an Ort und Stelle exekutiert zu werden... Seit dem 2008er-Action-Trash "Wanted" mit Angelina Jolie konnte der Russe Timur Bekmambetov in Hollywood mit Flops wie "Abraham Lincoln: Vampirjäger" und dem "Ben Hur"-Remake (falls gesehen schon vergessen, wetten?) ja nicht mehr so wirklich was reißen, doch immerhin scheint dieser zwischenzeitlich das Sujet des Desktop-Thrillers für sich entdeckt zu haben, welches er da in den letzten paar Jahren als Regisseur und Produzent stetig bedient... was neben so verhältnismäßig passablen Streifen wie "Searching" oder "Unknown User 2: Dark Web" allerdings auch die unsägliche letztjährige Amazon-Lachnummer "Krieg der Welten" zu Folge hatte. Okay, ganz so schlimm wie die Ice Cube-Gurke ist der vorliegende, leicht dystopisch angehauchte Science-Fictioner "Mercy" ja zugegeben nicht geworden, der zumindest visuell etwas mehr hermacht, indem er seine Handlung nicht nur auf einem Computer-Bildschirm stattfinden lässt, sondern innerhalb eines Raumes, der quasi zum 360 Grad-Rundum-Desktop mit "Minority Report"-Interface wird. Dass das Ganze in den US-Kinos 'ne ebenso heftige wie auch absehbare Bauchlandung hingelegt hat, verwundert einen da aber nicht wirklich, denn trotz der nicht gänzlich unterirdischen Optik gehört dass hier doch wohl kaum auf die große Leinwand. Auf der heimischen Flimmerkiste sieht die Sache schon wieder anders aus, denn als schnell weggestreamtes Filmchen funktioniert "Mercy" doch erheblich besser... und in dem Kontext vergibt man dann auch, dass die beiden namhaften Hauptdarsteller Chris Pratt und Rebecca Ferguson sich hier wirklich mal keinen abggebrochen haben, um sich ihre Gagen-Schecks zu verdienen (er ist 80% der Laufzeit an 'nen Stuhl gefesselt und sie ist permanent nur ein Gesicht auf einem Monitor). Sehr viel ärgerlicher ist da allerdings doch der Inhalt, der da auf jedwede Rechtstaatlichkeit pfeift und bei dem die Macher ein fast schon an Social Engineering grenzendes Loblied auf die Vorteile der künstlichen Intelligenz singen, als hätte es nie einen "Terminator" gegeben! Als aufgemotzer Gerichts-Thriller im modernen Gewand ist "Mercy" aber doch einigermaßen spannend, relativ engaging und zudem auch flott genug inszeniert, um unterhaltsam zu sein... aber das hier ist doch definitiv ein Film von der Sorte, bei der man bereits während des Ansehens besser nicht allzu sehr darüber nachdenken sollte! Ergo: Licht und Schatten halten sich hier in etwa die Waage und zum einmaligen Gucken reicht's.

5/10

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