Was macht es für einen Sinn, einen Erotikfilm um seine Erotikszenen zu kürzen? Ich meine, POPPEA ist im Prinzip eine vollkommen sinnlose und unlustige Aneinanderreihung nicht zusammenhängender Szenen, die von einem Korsett aus Erotikszenen zusammengehalten werden. Und diese Szenen werden dann fast vollständig aus dem Film herausgeschnitten – Was macht das für einen Sinn? Mir ist klar, dass ich damit nicht den Film rezensiere, sondern die Veröffentlichung, aber da POPPEA in Deutschland bis dato noch niemals ungeschnitten veröffentlicht wurde, wird eine objektive Besprechung eher schwierig.
Versuchen wir es mit der Handlung: Die Herumtreiber Ottone und Flavio lassen sich im antiken Rom zu Zeiten Kaiser Neros durch die Stadt treiben, immer auf der Suchen nach Essen und Weibern. Bei einem Zusammenstoß mit ein paar Legionären landen sie als Gladiatoren im Zirkus, wo Ottone aus Versehen Nero das Leben rettet. Fortan steht er bei Nero hoch im Kurs, noch mehr aber bei dessen Gemahlin Poppea, die ganz schnell die Beine für ihn breit macht. Man vögelt sich so durch, keilt sich mit ein paar Germanen, und am Ende brennt Rom, und die beiden Halunken stehen wieder, wie zu Beginn, mittellos irgendwo in der Provinz.
Zwei Herumtreiber. Der eine schlank, relativ gutaussehend und gewitzt, der andere eher korpulent und mit kräftigen Fäusten. Noch Fragen? Diese Konstellation ist und war beliebt, und beliebte Konstellationen werden halt nun mal gemolken bis nichts mehr geht, wobei dieser Nachahmer aus dem Jahr 1972 a) zeitlich schon verdammt nah am Original ist und b) betont unkomisch ist. Die paar wenigen Prügeleien sind kurz und humorlos, die einzelnen Set Pieces größtenteils uninspiriert oder gleich aus älteren Peplums eingefügt, und die Kalauer der deutschen Synchro ausgesprochen bemüht. Über Sätze wie „Ich schreibe Weltgeschichte und Du fickst hier herum“ muss man lachen können, sonst hat man hier von vornherein verloren.
Tja, und dann eben die Erotikszenen. Ottone besteigt alles, was bei drei nicht aus der Toga herauskommt. Nur sehen tut man in der deutschen Fassung davon nichts. Ein ganzes Schwimmbecken voller nackter junger Mädchen? Es bleibt bei der Fantasie. Ottone und Poppea vergnügen sich im Swimming Pool? Ringelreihen ohne Anfassen. Ottone verführt eine germanische Priesterin? Eva Czemerys präsentiert ihre Brüste, das war’s. Darum noch mal die Frage der Ausgangsstellung: Was macht es für einen Sinn, einen Erotikfilm um seine Erotikszenen zu kürzen? Vor allem dann, wenn der komplette Rest des Films dümmlich und anspruchslos bis zum Schmerz ist. Die italienische Wikipedia gibt eine Länge von 93 Minuten an, die deutsche DVD hat 68 Minuten, und die fehlenden 25(!) Minuten dürften den Originaltitel genauso wie auch den deutschen Titel inhaltlich unterfüttern. So aber, in der vorliegenden Fassung, müsste der Film eher heißen ZWEI VOLLTROTTEL UND DER NICHT ZÜNDENDE KALAUER. Eine Bewertung kann in dieser Schnittfassung somit eigentlich kaum gemacht werden, aber ich befürchte, dass auch die Nackt-und-Langfassung das Niveau nicht wirklich heben würde …