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"Till Eulenspiegel", das alte bekannte Volksmärchen, um einen Schelm der seine Mitmenschen auf liebevolle Art und Weise um seine Schuhe bringt, dürfte jedem Kind bekannt sein. Für Kinder birgt in der Figur eine Identifikationsfigur, da man den Großen ja auch gerne mal den ein oder anderen Streich spielt, aber auch die Erwachsenen dürften noch mit einem Schmunzeln an diese Geschichte denken. Im Jahre 2003 hat sich nun Regisseur Eberhard Junkersdorf, der auch schon die Bremer Stadtmusikanten zu modernen Zeichentrickfiguren umfunktionierte, daran gemacht, dem Schelm einen Film zu widmen. Herausgekommen ist dabei ein liebenswertes Stück Zeichentrickzelluloid, dass vor allem bei Kindern gut ankommen dürfte.

Es geht also um den Narren Till Eulenspiegel, dessen Großvater eines Tages spurlos verschwindet und sich der Rotschopf daraufhin, zusammen mit Cornelius, der Eule des Großvaters, auf die Suche nach ihm begibt. Dabei schliddert er in eine Reihe der unterschiedlichsten Abenteuer, u. a. muss er dem minderjährigen König vor seiner gierigen Tante Katharina retten, die ihn vom Thron stoßen will. Und das ist leichter gesagt, als getan... Wie man schon beim Lesen der wenigen Zeilen erkennt, hat die Filmgeschichte mit dem eigentlichen Märchen nun nicht mehr das Geringste zu tun. Die Sache mit den Schuhen wurde sogar vollkommen außen vor gelassen, was auf den ersten Blick natürlich erst einmal etwas unschön anmutet. Aber eigentlich kann man sich doch sehr schnell an die Filminterne Geschichte gewöhnen und wirklich vermissen tut man das Grundmärchen dann auch bald gar nicht mehr. Sondern man erfreut sich eher an den vielen netten Ideen und Einfällen des Drehbuchs, welches für einen Kinderfilm wirklich mehr als brauchbar ist.

Till streift nun also durch die Gegend und stellt dabei allerhand Schabernack an. Mal zerschmeisst er Hunderte von Spiegeln in einem Spiegelraum, um einen Zauberspiegel ausfindig zu machen. Danach hift er einem Bäckergesellen beim Ausliefern seiner Brote, nur um diese über die ganze Straße zu verteilen. Oder er nimmt die Hand eines Mädchens, um sich damit selbst eine schallende Ohrfeige zu geben, nur um sie danach ganz frech zu küssen. Spaß und Schabernack steht hier im Vordergrund und dennoch spürt man bei jedem Streich deutlich, dass Till sein Herz auf dem rechten Fleck hat und nie wirklich etwas Böses im Sinn hat.

Sowieso ist die Figurenzeichnung exzellent gelungen. Alle Figuren wachsen dem Zuschauer (egal ob klein oder groß) schnell ans Herz, man kann mit ihnen Mitfühlen und empfindet für sie Sympathie. Egal ob man da nun Till, seine Freunde oder auch die Bösewichte nimmt, mit allen können sich die Kiddies identifizieren, so wie es sich für ein quirliges Märchen gehört.

Was die Animationen angeht, setzt man hier wieder einmal auf eine Mischung aus Handgezeichnetem und Computeranimationen, wobei die Vermischung allerdings leider nicht wirklich optimal gelungen ist. Während die handgezeichneten Szenen allersamt zwar schlicht aber dennoch ordentlich aufs Papier gebracht wurden, sehen die eingeschmuggelten Computeranimationen meist etwas schluderig aus und sind auch voll und ganz als diese erkennbar. Disneyqualitäten sind hier somit leider überhaupt nicht auszumachen, was aber, aufgrund des geringeren Budget, sicher auch keine allzu großes Wunder ist. Na und die Kiddies wird das sowieso nicht stören.

Als Abschluss dann noch ein paar lobende Worte zur Synchronisation, die dagegen wieder absolut wunderbar ausgefallen ist. Synchrosprecher Benedikt Weber, der ja schon des öfteren recht quirrligen, kindlichen Figuren seine Stimme lieh, bringt seinen Till Eulenspiegel hier optimal zur Geltung. Des weiteren gibt es dann auch noch Katharina Thalbach als böse Königstante, die mit ihrer kratzigen, rauen Stimme ebenfalls zu Höchstformen aufläuft. Des weiteren dann noch Christian Tramitz als aufgedrehtes Federvieh Cornelius, der seiner Figur dieses mal allerdings einen etwas zu derb schwulen Touch gibt und dadurch hier und da doch etwas lächerlich wirkt. Der Rest geht dagegen wieder vollkommen in Ordnung.

Fazit: Liebevolle, wenn auch sehr freie Filmadoption des bekannten Märchens um den Schelm Till Eulenspiegel, das vor allem durch ein fantasiereiches und spaßig geschriebenes Drehbuch überzeugt, sowie durch seine liebevollen Charaktere. Auch wenn die Animationen nicht immer auf der höhe der Zeit sind, so kann man sich, vor allem auch wegen der exzellenten Snychronisation, doch mit diesem Animationsstreifen 1 1/2 vergnügliche Stunden vor dem Fernseher machen, vor allem wenn man Kinder dabei hat und auch im höheren Alter noch Spaß an dieser Art von Filmen haben kann.

Wertung: 7/10 Punkte

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