Ängste müssen gefüttert werden, sonst würden Horrorfilme kaum funktionieren. Der kanadische Autor und Regisseur Chad Archibald hat bereits etwas Übung darin, Genrefreunden kleine Schauer einzujagen, obgleich sein letztes Werk „I'll Take Your Dead“ einige Jahre zurückliegt. Vorliegende Mischung weckt hingegen Erinnerungen an „It Follows“, aber auch „Insidious“.
Cynthia (Ashley Greene) ist keine gewöhnliche Therapeutin. Sie hat die Gabe, in den Kopf ihrer Patienten vorzudringen, was eines Tages dazu führt, ein Hilfe suchendes Mädchen abzulehnen. Doch Cynthias Tochter Jordan (Ellie O'Brien) lässt jenes Schicksal nicht los. Sie forscht auf eigene Faust und gerät alsbald in lebensgefährliche Bedrängnis…
Vielschichtige Horrortrips liegen nach wie vor im Trend und so erhält man zunächst nur die vage Information, dass es sich bei der paranormalen Komponente möglicherweise um „einen Dämon aus Übersee“ handeln könnte. Ein schwarzes, skelettartiges Wesen mit menschlichen Zügen, welches zwar schon früh in Erscheinung tritt, im Verlauf jedoch wohl dosiert und nie zu vordergründig auftaucht.
Die wenigen relevanten Figuren sind treffend besetzt und geben eine ansprechende Mischung ab, bei der eine ältere, leicht schrullige Patientin für kleine Momente der Auflockerung zuständig ist. Der Fokus liegt zunächst bei der forschen, mutigen, jedoch auch unbedacht handelnden Jordan, wonach ihre Mutter selbst aktiv werden muss. Während die Instanz der Polizei eher das Nachsehen hat und im Zweifelsfall als weitgehend inkompetent dargestellt wird, gibt es noch einen undurchsichtig handelnden Vater (Shawn Ashmore) und ein Cameo von Julian Richings.
Archibald fährt früh ein flottes Tempo und garniert den Stoff mit visualisierten Exkursen in die Köpfe einiger Beteiligter, was einige durchaus atmosphärische Momente hervorbringt. Zumal die Wahl der Sets, vom morbiden Keller bis zum kleinen Haus im Nebel hin und wieder markant ausfällt, während Kamera und Schnitt solide Arbeit leisten.
Auch die Kreatur selbst, verkörpert von der recht beweglichen Brooklyn Marshall ist effektiv in Szene gesetzt, obgleich nicht alle Jump Scares ins Schwarze treffen und man bei alledem fast ohne Blutvergießen auskommt, - stattdessen hatte die Abteilung Maske und Make-up etwas mehr zu tun.
Leider muss man im Verlauf über einige arg konstruierte Zufälle hinwegsehen und akzeptieren, wie fahrlässig manche Personen mit entsprechenden Regeln ihres Berufes umgehen, damit die Geschichte nicht auf halber Strecke Umwege einschlagen muss.
Zum Finale kristallisiert sich heraus, wovon das Übersinnliche zerrt und wie man ihm eventuell entgegenwirken kann, wobei der Showdown etwas zu überladen an visuellen Schnörkeln ist.
Ansonsten wird unterm Strich eher überdurchschnittlich performt, der etwas zu dominant eingesetzte Score ist sauber und effektiv arrangiert, während der Gruselfaktor zumindest tauglich ausfällt. Allerdings bleibt das zehrende Nägelkauen aus, allzu innovativ erscheint die Geschichte letztlich nicht und obgleich einiger spannender Momente liefert „It Feeds“ nicht den Stoff, an den man sich länger erinnern wird.
6,5 von 10