Review

"Dope Thief" ist eine Crime-Saga, die stellenweise genial ist, aber auch einige Längen aufweist. Sehenswert, aber mit Luft nach oben.

Worum gehts? Zwei Kleinkriminelle ziehen in ihrer Heimatstadt immer den gleichen Coup durch. Verkleidet als DEA-Agenten nehmen sie Kleindealer hoch und "beschlagnahmen" deren Stoff. Dieser wandert dann zu Son, einem lokalen Gangsterboss. Als ein Kumpel aus Kindheitstagen aus dem Knast kommt, überredet dieser die Beiden, auf dem Land zuzuschlagen, da es dort viel größere Depots gäbe. Nach einigem Auskundschaften einer heruntergekommenen Farm auf dem Land startet dann der Coup, der jedoch in einem Desaster endet. Der Kumpel geht drauf, erschiesst aber vorher noch zwei Dealer und verletzt eine Dealerin schwer. Eine große Menge Bargeld und eine Ladung Rohmaterial für Crystal Meth nehmen die beiden Kumpel mit und tauchen unter. Schon sehr bald werden sie finsteren Typen verfolgt, die nicht nur ihr Geld wiederhaben möchten, sondern auch ein Exempel statuieren wollen. Scheinbar war das dann doch ein großes Meth-Depot eines Kartells, das sich mit einer brutalen Bikerbande zusammengetan hat.

Das ist in der ersten Folge noch sehr interessant und auch das erste Zusammentreffen mit ein paar Killern der Bikergang endet äusserst blutig. Dann aber fängt die Serie an zu schwächeln. Die Serienmacher kümmern sich viel zu sehr um die privaten Probleme der beiden Kumpel. Ray, gespielt von Brian Tyree Henry leidet an großer Geschwätzigkeit und Selbstdarstellung, der andere von Wagner Moura gespielte Charakter ist mehr der Verlierertyp und dieser ergiesst sich in Selbstmitleid. Und während Ray versucht, seinen Häschern zu entkommen und herauszufinden, mit wem sie sich da angelegt haben, muss er sich noch um seine Mutter und deren Schoßhund kümmern. Dann ist da noch der verhasste todkranke Dad, der aus dem Knast kommen soll und schliesslich eine Anwältin, die sich in ihn verliebt. Hier geht jetzt auch jeglicher Realismus flöten, wenngleich die Serie zumindest optisch recht real herüberkam.

Interessant ist nun wieder die zunehmend komplexe Kriminalgeschichte, denn es kommt heraus, dass einer der Toten des Überfalls, sowie die verletzte Frau echte DEA-Agenten im Undercover-Einsatz waren. Und scheinbar war auch der Überfall kein Zufall, denn in Wirklichkeit geht es um weitaus mehr, als nur um Geld und Dope. Dabei wird man lange im Unklaren gelassen über dieses mysteriöse Gangster-Netzwerk im Hintergrund, dass sich immer mal aus dem Dunkel herauswagt und mit härtester Gewalt zuschlägt. In solchen Momenten ist die Serie am Besten, denn die Bedrohung bleibt oft nicht greifbar, alles wirkt sehr unheimlich. Und wenn es zur Sache geht, wird es ausserordentlich hart!

In der letzten Folge bekommt die Story dann die Kurve und wird mit einem echten Paukenschlag aufgelöst. Bis dorthin trüben aber zu viele unnötige Nebenhandlungen das Sehvergnügen. Auch wirkt nicht immer alles logisch oder plausibel. 

Man sieht, Licht und Schatten liegen hier eng beieinander. Stellenweise ist das eine echt krass harte Crime-Serie, die handwerklich auch top gemacht ist. Hätte man den Storyverlauf etwas gestrafft und oft nicht so sprunghaft gestaltet, wäre es sicher ein Meilenstein geworden. Empfehlenswert ist die Serie dennoch, wird aber ihren Vorschußlorbeeren nur bedingt gerecht.

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