Review

Zahlendreher & Buddyrasenmäher

Als ich vor ein paar Monaten von "The Accountant 2" erstmals ernsthafter gehört habe, war mein erster Gedanke: "Wer hat denn bitte danach gefragt?!". Das Original (vor jetzt auch schon 9 Jahren!) hatte scheinbar nahezu null bleibenden Eindruck, eigenen Charakter oder Lust bei mir hinterlassen. Vom Gefühl her einer der nichtssagendsten Actionfilme der 2010er. Das Gegenteil eines "John Wick". Und dann habe ich gefühlt noch am selben Tag von gelegenheitsguckenden Arbeitskollegen gehört, wie geil sie den ersten Teil fanden und wie sie sich auf das Sequel freuen. Und dann habe ich gelesen, wie sehr Ben Affleck das Franchise am Herz liegt. Und dann habe ich mir nochmal mein Review zu "The Accountant" durchgelesen - und war überrascht, wie nahezu restlos positiv das damals war. Also war ich dann doch irgendwie gnädiger, gespannter und überzeugter, dass "The Accountant 2" schon seine Qualitäten und Daseinsberechtigung haben könnte... Erzählt wird in der Fortsetzung (tonal etwas anders, leichter als beim Vorgänger) wieder vom "Accountant" Wolff, der nun für einen besonders perfiden, persönlichen und auftragskillergeschwängerten Fall seinen militärischen, handfesten Machobruder (stark: Jon Bernthal!) zur Hilfe holt...

Chemie ist alles!

Richtig warm bin ich mit der Figur "Accountant" auch mit diesem Part 2 nicht geworden - aber ich muss gestehen, ganz kurzweilig und fähig sind diese zwei Stunden schon. Affleck ist alles andere als auf Autopilot. Bernthal ist eine großartige Auflockerung und Ergänzung, ein starker Gegenpol und ein funktionierendes Gegengewicht. Alles sieht hochwertig genug aus und die Action haut gut auf den Tisch. Diese furztrockene Mixtur aus Bürohengst, Autist und Killermaschine kann cheey und cringy wirken, hat insgesamt aber seine Reize. Und trotzdem komme ich nicht umher immer noch festzustellen, dass dieses Franchise, wenn man es denn schon so nennen kann, einfach nicht wirklich eine eigene DNA und Schiene hat. Was ja nichts Schlechtes sein muss - Beweglichkeit und Flexibilität können ja zu Unberechenbarkeit führen. Und trotzdem macht "The Accountant 2" viel - aber eben nichts so ganz. Er ist nicht total funny um als Buddyactionkomödie durchzugehen, er ist nicht hart und böse genug um als Actionthrillerfeuerwerk durchzugehen, er hat nicht genug Tiefe oder Ernsthaftigkeit um als ernstes Charakterdrama Fuß zu fassen. Er macht alles ein wenig und auch solide - aber ich hätte mir etwas mehr all-in in eine der Richtungen gewünscht. Leere Kalorien, die sich größer aufplustern als sie sind. Im Grunde ein waschechter B-Movie mit wenig auf dem Kasten. Nur ohne das niedrige Budget und die große Sympathie vieler dieser Produktionen.

Fazit: die Action ist passabel, die Chemie zwischen Bernthal und Affleck scheint stark, es gibt einige coole Songs, das Mehr an Humor steht allem gut und insgesamt trifft das eine erstaunlich große Zielgruppe im Mainstream und meinem Bekanntenkreis... Aber ist das wirklich gut?! Werde ich ihn in 5 Jahren nicht genauso vergessen haben wie seinen Vorgänger?! Ist das nicht alles zu glatt, grau und berechnend?! Naja, für den Moment passt's. Das Actionkino hatte einfach schonmal bessere Tage, um es gnädig auszudrücken...

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