Schwarzes Gewand auf schwarzer Haut auf schwarzer Schuld
Auf dem weitläufigen Rasen einer dreiköpfigen Familie sitzt am helllichten Tag auf einmal eine Frau - verhüllt und ganz in schwarz. Sie regt und pflegt sich nicht. Sie gibt wenn überhaupt eher vage Antworten, manchmal auch gruselige. Sie lässt sich nicht vertreiben. Sie hat Geduld. Kommt sie näher? Eindringling? Vorbotin? Dämon? Gefahr?
Jaume Collet-Serra ist ein guter Handwerker, ein echt zuverlässiger Ablieferer, ein Workaholic und er hat schon oft bewiesen, dass er sehr kompakt, zugänglich und spannend inszenieren kann. Nie herausragend - meist aber gut genug. Eher im Thrillergenre. Kann er diese Handwerkskunst auch in den Gruselbereich übertragen? Mit einer Mischung aus "typisch Blumhouse" und "eher A24"? Dazu im Black Horror Cinema der aktuellen Zeit verortet? Nein, eher nicht. Für mich geht diese Rechnung und Mischung nicht wirklich auf. Viel Familiendrama, etwas Grusel, typischer Traumaaufhänger, metaphorische Auflösung. Alles jetzt nichts Weltbewegendes und irgendwie... bieder, trocken, träge. Lahm, zahm, damit werd' ich nicht warm. Trotz übersichtlicher Runtime mit Längen. Im Endeffekt weder Blumhouse noch A24, weder guter Grusler noch anspruchsvolles Drama. Zwischen allen Stühlen. Nichts Halbes, nichts Ganzes. Und wenn überhaupt eine Fußnote in diesem Genrekinojahr. Die Darsteller, auch die Kids, machen das gut. Als Kurzfilm oder "Twilight Zone"-Episode hätte man sicher mehr herausholen können. Aber leider in dieser Ausführlichkeit massiv mit Lücken, Lethargie und Lagerkoller. Als Snack im Streaming noch in Ordnung. Als Kinobesuch nicht.
Fazit: gruselige und interessante Ausgangssituation, erfreulich wenig Jumpscares, gutes Kreaturendesign, frische Gesichter und eine kompakte Laufzeit helfen nicht ganz über inhaltliche Schwere, Schere und Leere. Kompakt verkackt? Oder milde im Bilde?