Review

Unermüdlich werkelt sich Disney durch seine eigenen Lizenzen und nach diversen anderen Realverfilmungen nahm man sich einen der Klassiker schlechthin vor. Disneys „Schneewittchen“ war anno 1937 der erste abendfüllende Zeichentrickfilm des Konzerns und stellt somit ein Stück Geschichte dar. Der nun erschienenen Neuauflage wird diese Ehre kaum zuteil werden, Gründe gibt es dafür viele.

Allerdings will ich nicht in den Chor derer einsteigen, für die die Besetzung von Rachel Zegler in der Titelrolle der Untergang des Abendlandes war. Ist er nicht, der Streifen hat ganz andere Probleme. Auf fast zwei Stunden aufgeblasen wird die Geschichte unter Zuhilfenahme von mehr als nur ein paar Gesangseinlagen. Diese sind erwartbar und gehören auch irgendwie dazu. In der Masse allerdings wird man das Gefühl nicht los, als dienen sie der Streckung der Laufzeit. Und sind die Abschnitte auch je nach Person solide vorgetragen, im Ohr bleibt da nicht viel - trotz mancher Reprise. Dass man die sieben Zwerge per CGI anstelle mit realen Darstellern auf die Leinwand bringt ist keine glückliche Entscheidung. Der Film wirkt auch so schon übelst artifiziell in seiner glatten, sauberen Digitaloptik, da verstärken diese künstlichen Figuren diesen Eindruck nur umso mehr. Eigentlich müsste Quigg (George Appleby) bei der entsprechenden Begegnung mal fragen, warum er nicht auch aus dem Computer stammt. Dass der Streifen so unecht aussieht mag man auf das Märchenhafte schieben, schön ist er dennoch nicht.

Und wie ein Märchen fühlt sich dieses Produkt auch nicht mehr an. Die inhaltlichen Ergänzungen wie das Ausbauen der Romanze zwischen dem immer gut frisierten Johnny und der Witty ziehen sich und fühlen sich gerade im Hinblick auf das Vorlagenmaterial reingezwungen an. Dazu verpasste man Jonathan noch eine Robin Hood-Geschichte und so haust er mit ein paar nichtssagenden aber stets knitterfreien Gesellen im Wald. Ist Zegler in ihrem Spiel trotz Gesichtsakrobatik noch okay, so liefert Gal Gadot als böse Königin eine kaum ernstzunehmende Leistung. Ich weiß nicht, ob das überzogen wirken soll oder mangelndes Talent ist. Stets bemüht schrammt sie immer zielsicher an einer passenden Darstellung vorbei. Der Rest spult seine Rollen runter, einen bleibenden Eindruck hinterlässt niemand und am Ende ist dieses Live-Action-Remake wie in der Regel alle: überflüssig.

„Gesundheit!“

In dieser wieder einmal ultrasauberen Gewandung und artifiziellen Präsentation schleppt sich die (teilweise) reale Neuauflage des bekannten Märchens über seine überdimensionierte Laufzeit, füllt diese mit Gesang, mit Glück mediokren darstellerischen Leistungen und einer ausgebauten Geschichte, die weder dem Rhythmus noch der Unterhaltung dient. Klinisches Produkt vom Reißbrett.

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