Staffel 1
It's hard out here for a… Boy? Dad? Killer?!
Der („Echtzeit“-/One-Take-)Netflix-Hit der Stunde über den alle sprechen, den alle gucken und der auch berechtigt in den Jahresbestenlisten landen wird: vier Folgen „Adolescence“ - über eine Familie, deren dreizehnjähriger Sohn des Mordes angeklagt und festgenommen wird - und wie sie mit dieser Belastung umgehen bzw. eher die weiteren Ermittlungen der Polizei, Psychologen und was für Verstrickung aus dem Fall und der Psychologie des Jungen (einer ganzen Generation?) noch entstehen (könnten)…
We Don't Need No Education…?
„Adolescence“ (Staffel 1) ist weitaus mehr als nur eine kurze Gimmickserie. Die Oneshots werden sinnvoll genutzt, sind höllisch präzise und dienen alles andere als zum stylischen Selbstzweck, sie stellen sich nie über den Inhalt. Die Darsteller sind durch die Bank stark, auch die Kinderdarsteller sind weit überdurchschnittlich und wirken fast durchgehend sehr natürlich, authentisch, glaubhaft. Gänsehaut in den besten Momenten. Es ist toll, dass einige „Nebenschauspielergesichter“ endlich mal die Gelegenheit bekommen in vorderster Reihe zu stehen und sich zu beweisen. Die Sets werden überlegt eingebunden. Selbst wenn man nach der ersten Folge schon sehr viel weiß oder meint zu wissen - die Spannung wird aufrechterhalten und immer wieder zum Überkochen getrieben. Es geht um Schuld und Sühne, um Väter und Söhne, um moderne Themen wie Internetcodes verbunden mit zeitlosen Themen wie Mobbing oder Sorgen um die Jugend. Alles wirkt sehr homogen und durchdacht, sehr konzentriert und kompakt, klein und doch episch in seinen Konsequenzen. Kompakt und knackig muss es bei der Kürze und dem Konzept natürlich auch sein um zu funktionieren. Dennoch wirkt „Adolescence“ herausragend und die einzelnen Teilchen ergeben als Summe mehr als man je vorher annehmen würde. Das spricht Kinofans an, das spricht Thrillerfans an, das spricht Psychologie(hobby)studenten an. Das hat eine enorme Überschneidung etlicher großer Zielgruppen über mehrere Altersgruppen und Vorlieben. Und somit geht „Adolescence“ über seinen „Dienst nach Vorschrift“ als Serie weit hinaus, legt mutig und bitter Finger in Wunden, verbindet geschickt Generationen und bleibt noch lange bei einem. Ein (positiv-)schauderhaftes und realistisches Jahreshighlight, ohne geringsten Zweifel.
Täter / Opfer / Umfeld / Hoffnung
Fazit: thematisch aufrüttelnd, schauspielerisch edelst, inszenatorisch extraklasse, handlungstechnisch spannend… Zeitgemäß und zugvoll. Beängstigend gut. „Adolescence“ ist eines dieser Netflix-Serienevents des Jahres, das seinen Hype verdient hat und man schlicht sehen muss! (9/10)