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Die bedingungslose Liebe einer Mutter bildet nicht selten das zentrale Thema eines Dramas. Für viele Menschen ist es ein Teil des täglichen Lebens, während Kinderlose bei vorliegendem Thrillerdrama eventuell etwas mehr Empathie aufbringen müssen. Glücklicherweise gibt es als Fundament hierfür Oscarpreisträgerin Julianne Moore.

New Jersey: Pferdewirtin Kate (Moore) ist an einem Tiefpunkt angelangt: Finanziell läuft es schlecht, ihre Ehefrau starb vor wenigen Monaten und Tochter Claire (Sydney Sweeney) hat trotz Entzuges noch immer mit Drogen zu tun. Eines Tages kehrt Claire mit blutverschmierter Kleidung heim, doch es ist nicht ihr Blut…

Der Stoff lässt sich in zwei Genrehälften unterteilen: Bis etwa zur Halbzeit dominiert die angeschlagene Beziehung zwischen Tochter und Mutter, während in der zweiten Hälfte ein Verbrechen und eine damit einhergehende, vermeintliche Verschwörung im Mittelpunkt steht.
Nach diversen Schicksalsschlägen klammert sich Kate an ihre Tochter, verzeiht ihr viel, doch verhält sich nicht wie eine Übermutter, sondern versucht einen nachvollziehbaren Mittelweg im Umgang mit Claire zu finden. Das schürt einerseits Verständnis, andererseits auch mindestens Argwohn, denn Claire scheint in bestimmten Situationen unkontrolliert impulsiv zu werden.

Dies ist nicht unerheblich für den Verlauf der zweiten Hälfte, in der ein Drogendealer (Domhnall Gleeson) im passenden Kontrast zu einer aufgeweckten Freundin (Fiona Shaw) von Kate steht und es einige Verstrickungen und Wendungen gibt. Einige davon sind erahnbar, andere arg überkonstruiert. Zumal es unterm Strich um mehr als nur ein Verbrechen geht, was im Verlauf zu einer leichten Überfrachtung diverser Unterthemen führt.
Demgegenüber werden in der ersten Hälfte manche Dinge nur angetastet wie Kates Ex (Kyle MacLachlan in einem Zwei-Minuten-Gastspiel), wodurch das Schicksal der Hauptfigur nicht vollends nachvollziehbar ist.

Handwerklich ist dem britischen Regisseur Michael Pearce nichts vorzuwerfen, vor allem die souveräne Kamera konzentriert sich ruhig und effektiv auf das charakterbetonte Spiel, welches bis auf jede Nebenrolle exzellent besetzt ist. Im Zentrum fungiert natürlich Moore, die im Zusammenspiel mit Sweeney ihre schauspielerische Klasse mehr als nur einmal untermauert und die Chose locker und beinahe im Alleingang stemmt.

Leider mangelt es im Verlauf an Hochspannung, zumal die Erzählung nie auf Temposzenen oder generell viel Bewegung setzt. Trotz einiger Twists und Finten überrascht der Verlauf nur bedingt und somit ist es primär ein Verdienst der starken Besetzung, dass man über die Laufzeit von 104 Minuten dennoch am Ball bleibt.
6,5 von 10

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