Aus dem hohen Norden Europas kommen immer wieder kleine Filmperlen hervor, die zwar in der breiten Masse des Hollywood-Popcorns in der Regel gnadenlos untergehen, auf diversen Festivals und gerade beim aufgeschlossenen Independent-Publikum zu großem Underground-Kult-Status gelangen, wie im vorliegenden Fall bei der deutsch-dänisch-englisch-isländischen Co-Produktion „NÒI ALBINÒI“.
Das Leben des Außenseiters Noi, der bei seiner Oma in einem abgelegenen Fjord Städtchen im hintersten Norden Island wohnt, ist von Langeweile und Rebellion geprägt. Die einzige Ablenkung in seinem tristen Leben bieten die Besuche seines alkoholabhängigen Vaters, die ortsansässige Bücherei und eine kleine Tankstelle. Hier bedient neuerdings die bildhübsche Iris, in die sich der Titelheld auch sofort verliebt…
Inmitten der großartigen abstrakten Landschaft des Nordwestens erzählt Regisseur Dagur Kári eine beeindruckend melancholische Charakterstudie in fantastischen Bildern. Die fabelhaften Darsteller vermitteln der Außenseiter-Ballade die nötige poetische Wärme und groteske Komik. Obwohl bei seiner Inszenierung wohl Regie-Star Aki Kaurismäki („Der Mann ohne Vergangenheit“) Pate stand, schließt der Zuschauer die skurrilen Figuren sofort ins Herz und begibt sich gerne mit auf die optimistische Reise nach einem besseren Leben.
Freunde des skandinavischen Films und des erwähnten Finnen sollten sich dieses lakonische Werk abseits des Mainstreams nicht entgehen lassen.
(8/10)