17 Jahre nach dem kultisch verehrten Meisterwerk „DER UNTERGANG DES AMERIKANISCHEN IMPERIUMS", in dessen Genuss ich leider bislang noch nicht gekommen bin, versammelt Regisseur Denys Arcand seine damaligen „Helden" erneut vor der Kamera. Der Grund: Geschichtsprofessor Rémy liegt im Sterben. Sein liebenswerter Sohn arrangiert das Wiedersehen mit alten Freunden und Bekannten: seine Ex-Geliebten, seine betrogene Ehefrau, sein Sohn mit seiner Freundin und andere langjährige Freunde. Ein multikultureller Mikrokosmos der heutigen Gesellschaft versammelt sich, um ihren alten Freund die letzten Stunden zu versüßen...
Denys Arcand's Werk ist eine beißende Gesellschaftskomödie mit melancholischen Momenten. Diese Mischung bildet die optimale Voraussetzung für seine teilweise zwerchfellerschütternde Familienfabel, in der kein Auge trocken bleibt. Das Aufeinandertreffen der Freunde mit ihren gemeinsamen Geschichten aus der Vergangenheit ist „Weltgeschichte Put In A Nutshell", wie es in treffender Weise auf dem DVD-Cover angepriesen wird. Eine bitterböse Farce über Sex, die Liebe und das Leben mit ernstem Unterton.
„DIE INVASION DER BARBAREN" ist genauso eine zutiefst bewegende Geschichte mit einem hervorragend aufgelegten Schauspieler-Ensemble, das die ganz normale Krankenhaus-Hölle mit überfüllten Zimmern, Patienten auf den Gängen und anderen Unannehmlichkeiten schildert.
Zurecht wurde der Regisseur für diese geniale Umsetzung und berührende Inszenierung in Cannes mit Preisen überhäuft und durfte 2004 sogar den Oscar als bester fremdsprachiger Film mit nach Hause nehmen. Ein Verdienst der diese herausragende Leistung mehr als nur rechtfertigt! Ein Film voller Gegensätze und Widersprüchen, Leben und Tod, Freude und Trauer, Lachen und Weinen, dessen Charme man sich durch die direkte, ehrliche und menschliche Darstellung nur schwerlich entziehen kann.
(9 / 10)